Ender’s Game – Steve Jablonsky

endersgame

Musik komponiert von
Steve Jablonsky
Score produziert von
Steve Jablonsky, Alex Gibson
& Paul Katz
Ergänzende Musik von
Jacob Shea
Dirigiert von
Gavin Greenaway
Orchestriert von
Larry Rench, Alain Mayrand,
Penka Kouneva
& Philip Klein

Steve Jablonsky kommt – wie viele andere zeitgenössische Filmkomponisten auch – aus der Hans-Zimmer-Schule „Remote Control“. Er gehört zu denjenigen, die sich nicht wirklich vom Stil ihres Lehrers distanzieren konnten und sich bei ihren Arbeiten eng an diesem orientieren. Die Transformers-Filmreihe von Michael Bay – für die Jablonsky die Scores komponierte – bestätigen dies mit Nachdruck. Vor allem der erste Teil zeichnet sich durch einen zwar nicht sehr komplexen, aber eingängigen und wirklich tollen Score aus, der lange im Ohr bleibt und abseits der Action auch sehr schöne Melodien bietet.

Für den Film Ender´s Game von Regisseur Gavin Hood wurde ursprünglich James-Cameron-Stammkomponist James Horner verpflichtet, dann jedoch durch Steve Jablonsky ersetzt. Dieser recycelt sein Erfolgsrezept aus der Transformers-Reihe und liefert einen Score ab, der düsteres Orchester mit elektronischen Sounds und Percussions verbindet. Das Ergebnis begeistert nicht so sehr wie die Musik zur ersten Robo-Action-Orgie, weiß aber durchaus zu gefallen. Sofort zu Beginn des Films setzt sich die Musik im Zuschauer fest und lässt bis zum Ende nicht mehr los.

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Der Film selbst, der von einem Krieg der Menschen gegen eine Insekten-artige Alien-Rasse handelt, in welchem Kinder und Jugendliche als Kampfpiloten auf einer Raumstation ausgebildet werden und wo einem Jungen namens Ender von Anfang an eine „Auserwählten-Rolle“ anhängt, wurde von Kritik und Publikum eher zwiespältig aufgenommen. Leute, welche die Buchvorlage gelesen haben, beklagen die vielen inhaltlichen Veränderungen der Adaption, ich als Buch-unkundiger Zuschauer empfand das Werk als Mischung verschiedener Science-Fiction-Filme (unter anderem Starship Troopers mit Elementen von Inception und Harry Potter, letzteres zwar kein Science-Fiction, aber als Vorbild offensichtlich zu erkennen), welches einige moralisch heikle Fragen aufwirft und mit seiner Prämisse und vor allem dem Ende schockieren will, dies jedoch nur bedingt schafft, da das angestrebte Niveau nicht erreicht wird. Dafür bietet der Film solides Schauspiel der nahezu gesamten Besetzung, einige wunderschöne Effekte und begeistert vor allem durch seine Schwerelosigkeits-Trainings-Szenen. Abgesehen davon bleibt nicht viel in Erinnerung – bis auf den Score.

Die Musik zu Ender´s Game hat kaum Themen zu bieten, und die wenigen vorhanden sind eher verschiedene Instrumental-Stimmen, die jeweils für Bestandteile des Films stehen. Im ersten Track, Ender´s War, wird der Stil der Musik und dazu ein gemächliches Thema vorgestellt, das man allgemein das Thema des Films nennen könnte, da es für Ender zu stehen scheint und zudem den Abspann untermalt. Im Score taucht ein Fragment davon in Dragon Army auf und ist in seiner vollen Wucht erst im vorletzten Track, Ender´s Promise, wieder zu hören. Das Stück besteht aus schnellen Streicher-Stimmen, die natürlich sehr an Transformers erinnern, Blechbläser und düsterer Chor kommen dazu. Ab 1:32 im ersten Track ist der epische Höhepunkt erreicht. Battle School klingt vor allem in der Chor-Unterstimme stark nach Hans Zimmer, in Move It Launchies wird zum ersten Mal eine dunkle, gemächliche Cello-Stimme vorgestellt, die sich durch den restlichen Score zieht. Die wirkungsvolle kleine Melodie erklingt ab 0:12 in Track 4 und steht wohl für die Ruhe der Schwebe in der Schwerelosigkeit, in welcher im Film die jungen Kadetten für den Alien-Krieg trainieren. The Battle Room besitzt eine einzelne Geigen-Stimme, die fast schon melancholisch klingt, Salamander Battle markiert den ersten Erfolg des Helden Ender (Asa Butterfield) im Trainings-Raum und ist ein tolles Stück, anfangs mit sich langsam steigernden Streichern und Percussions, bis ab 1:34 die Schwerelosigkeits-Cello-Stimme wiederkommt, um sich mit der Unterstützung von immer lauter werdenden Streicher-Wellen und Percussions zu einem Chor- und Blechbläser-dröhnenden epischem Höhepunkt zu steigern.

Dragon Army greift wie schon gesagt die Melodie von Ender´s War wieder auf und vermischt sie mit der Cello-Stimme, was sich zu einer diesmal chorlosen Variation von Salamander Battle entwickelt. Dragons Win untermalt eine ebenfalls wichtige Szene im Schwebe-Trainings-Raum, schnelle Streicher machen ab 1:20 einer abgehackten Streicher-Oberstimme Platz, die schnell von Blechbläsern übernommen wird. Nach einigen leiseren Parts kommt ab 3:12 eine kleine, quasi nur aus 6 Tönen bestehende langgezogene Melodie, die den Triumph von Ender und seinem Team darstellt. In Ender Quits kommt zum ersten Mal eine leise Klavier-Stimme zum Einsatz, Mazer Rackham bringt die Cello-Stimme wieder, unterlegt mit Chor und Blechbläsern, sehr ruhig und bedächtig diesmal. Command School hat nicht viel zu bieten bis auf eine epische Blechbläser-Stimme, die kurz ab 0:57 ertönt. Graduation Day enthält nur sehr dezent die Schwerelosigkeits-Melodie, welche dann stärker hervortritt. Ab da geht es in altbekannter Weise weiter, diesmal nur ohne Blechbläser.

Final Test ist ein längeres Stück, das die typischen Elemente des Scores mit Elektronik-Unterstützung gekonnt in spannender Form variiert, Game Over besteht aus Elementen verschiedener Themen, jedoch langsam, unter anderem eine clevere Verarbeitung des „Triumph“-Themas, die das Stück in eine Melodie der Trauer verwandelt. The Way We Win Matters und Ender´s Promise sind mit esoterischen Chor- und Elektronik-Stimmen angereichert und vermitteln den Eindruck, klanglich eine andere Welt zu betreten – etwas langatmig, aber wirkungsvoll. Ab 3:11 von Ender´s Promise meldet sich das Ender´s War – Thema mit aller Macht wieder zurück und bildet den Abspann. In Commander kommt zum Abschluss die Cello-Stimme wieder, zuerst unterlegt mit halligem Männerchor, danach mit der bekannten Streicher-Untermalung. Ein gelungener Ausklang des Albums, aber eben schon oft zuvor gehört.

Fazit:

Steve Jablonsky´s Ender´s Game-Score bietet einige packende Melodien, die durch ihre epische Wucht die kaum vorhandene Variation durchaus wettmachen können. Es gibt nicht viele Themen zu hören, aber diese können durch gekonnte Orchestrierung und klanglich interessante Einfälle wirklich überzeugen. Sowohl als Film-Untermalung wie auch als reines Hörerlebnis (bis auf solche Underscoring-Stücke wie Mind Game Part 1 und 2 oder Bonzo) auf solidem Niveau gelungen. Dafür gibt es 4/5 großzügige Punkte mit einer echten Empfehlung obendrauf.

Trackliste mit Längenangabe und Anspieltipps:

  1. Ender´s War – 3:28
  2. Stay Down – 2:43
  3. Battle School – 1:57
  4. Move It Launchies – 0:57
  5. The Battle Room – 3:05
  6. Mind Game Part 1 – 2:25
  7. Salamander Battle – 3:35
  8. Mind Game Part 2 – 3:56
  9. Dragon Army – 2:45
  10. Dragons Win – 3:55
  11. Bonzo – 1:38
  12. Ender Quits – 6:24
  13. Mazer Rackham
  14. Enemy Planet – 3:51
  15. Command School – 2:43
  16. Graduation Day – 1:29
  17. Final Test – 6:04
  18. Game Over – 2:37
  19. The Way We Win Matters – 6:16

  20. Ender´s Promise – 5:10
  21. Commander – 3:35

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