Avengers: Age of Ultron – Brian Tyler / Danny Elfman

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Tyler:
Musik komponiert & orchestriert von
Brian Tyler
Dirigiert von
Brian Tyler & Allan Wilson
Score produziert von
Joe Lisanti & Brian Tyler

Elfman:
Musik komponiert & produziert von
Danny Elfman
Dirigiert von
Rick Wentworth
Orchestriert von
Steve Bartek, Edgardo Simone,
David Slonaker,
Ed Trybek
& Peter Bateman
Ergänzende Musik von
Chris Bacon, Paul Mounsey
& TJ Lindgren
„Avengers“-Themen komponiert von
Alan Silvestri

Das MCU hatte lange ein großes Problem: Ihm fehlte musikalische Kontinuität. Viele verschiedene Komponisten vertonten die einzelnen Filme und jeder brachte neue Melodien ein und griff von anderen etablierte gar nicht auf, seien es Ramin Djawadi, Craig Armstrong, John Debney oder Patrick Doyle. Dann komponierte Alan Silvestri für „Captain America“ und den ersten Avengers-Film und das war ein Schritt in die richtige Richtung, denn das Thema für den Super-Patrioten tauchte nun auch in einem weiteren Film auf. Dann trat Brian Tyler auf den Plan: Er schrieb die Musik für den drittten Iron-Man-Film und den zweiten Thor, Henry Jackman jedoch entfernte sich jedoch stilistisch wieder weit von den anderen MCU-Scores und ließ das Captain America-Thema nur kurz erklingen. Als schon früh beschlossen war, dass Brian Tyler auch für „The Avengers: Age of Ultron“ komponieren würde, stand für alle fest, dass er sicher wieder seine Themen aus seinen anderen Marvel-Scores einbauen und damit tatsächlich musikalische Kontinuität schaffen würde.

Doch dann, nur ein paar Monate vor Kinostart, tauchte plötzlich der Name Danny Elfman im Zusammenhang mit dem Film auf. Zuerst hieß es, er würde nur als „Additional Composer“ dabei sein, doch dann bekam er eine eigene Erwähnung als Co-Komponist. Was war passiert? Es könnte sein, dass Brian Tyler wegen seiner Beschäftigung am verschobenen „Fast & Furious 7“ seine Arbeit am Avengers-Score nicht vollenden konnte, oder das von ihm komponierte Material war teilweise nicht gut genug. So oder so, Tyler und Elfman haben jeder einen Stil, der sich doch sehr von dem des anderen unterscheidet und es klingt nach einem echten Wagnis, die beiden am selben Film arbeiten zu lassen. Aber das „Experiment“ ist gut gegangen: Beide Komponisten liefern sehr gutes Material, dass sich zwar voneinander unterscheidet, aber auf dem Album tatsächlich zusammenpasst.

Tyler und Elfman arbeiteten komplett unabhängig voneinander, wobei Tyler den Löwenanteil bestritt und Elfman wohl erst im Nachhinein dazukam, anscheinend, um das Helden-Thema aus dem ersten Avengers-Film weiterzuentwickeln, denn kein Titel, der Elfman zugeschrieben ist, lässt das neue Thema missen.

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Tylers Musik schwimmt definitiv im Fahrwasser von Silvestris Score für Teil 1, aber es ist nach wie vor sein eigener Stil. Er liefert ein Thema für Ultron, ein Motiv, welches zum ersten Mal in Track 1 laut drauflosschmettert und langsamer in Birth of Ultron und (Fragmentarisch) in Darkest of Intentions, Fighing Back, Keys to the Past und Uprising wiederkehrt. Hulkbuster wartet mit einem pompösen Statement seines “Iron-Man 3”-Themas auf, welches schon vorher kurz ertönte und auch in Fighting Back einen Auftritt hat. Eine kleine Anspielung auf das Silvestri-Avengers-Motiv gibt es zudem in The Battle, Wish You Were Here und in Uprising, zudem kommt in Outlook das Thema für die S.H.I.E.L.D.-Flugmaschine zurück. Im Titel Vision, welcher bedacht und geheimnisvoll erklingt, bekommt der Hörer eine kleine Pause von all dem Bombast, den Tyler sonst auffährt: Die Action-Musik, welche den Großteil seiner Titel dominiert, ist gewaltig, laut und fährt besonders im Blechbläser- und Schlagwerk-Bereich ordentlich Power auf, vor allem durch die verschiedenen Arten von Percussions, die zu hören sind. Besonders Rise Together, Hulkbuster, The Battle und Fighting Back dröhnen drauflos und heizen den Ohren richtig ein. Obwohl es auch in anderen Tyler-Tracks etwas ruhiger zugeht, er sogar ein kleines Liebes-Thema bietet (am Schluß von Fighing Back, welches allerdings sehr nach “Fluch der Karibik 3” klingt), und die Orchestrierung sehr gelungen ist, kommt Brian Tylers Musik-Anteil ein wenig anonym und ziellos daher, was vor allem an der Abwesenheit eines wirklichen Hauptthemas liegt. Und hier kommt Danny Elfman ins Spiel.

Wie schon gesagt, war es wohl Elfmans Aufgabe, das Original-Avengers-Thema von Alan Silvestri zu übernehmen und auszubauen. Und nicht nur ist ihm das mit Bravour geglückt, er hat es sich zu Eigen gemacht! Die Orchestrierung, besonders was die Streicher und den Chor angeht, ist unverkennbar der Elfman-Stil, den er mit “Spider-Man” und “Hellboy 2” perfektioniert hat. Wahrhaft heroisch erklingt das erweiterte Motiv in Heroes, It Begins, Inevitability-One Good Eye (wo man auch das “Iron-Man 3”-Thema hören kann), Avengers Unite und New Avengers – Avengers: Age of Ultron.

Düster-brütend geht es in Ultron-Twins zu, dramatisch in Track 15, wunderschön und mithilfe der seit ein paar Jahren inzwischen Elfman-typischen Gitarre strahlen Farmhouse und The Farm. Zudem übernimmt Elfman in Ultron Wakes kurz das Ultron-Motiv von Tyler und am Anfang vom letzten Titel hört man ein leises Statement des Captain America-Themas von Silvestri, bevor das gesamte Album herausragend mit der neuen Avengers-Musik ausklingt.

Fazit: Es ist fraglich, ob die hier dargebotene Methode die beste ist, um einen Blockbuster-Score zu kreieren. Verschiedenen Quellen nach zu urteilen gab es einige Probleme, was die Schnittfassung des Films anging und das wirkte sich offensichtlich auch auf die Musik aus. Allerdings muss man sagen, dass beide Komponisten das beste aus ihrer Lage gemacht haben und jeder für sich dazu beiträgt, dass “Avengers: Age of Ultron” ein richtig gutes Album geworden ist. Zwar ist der Elfman-Anteil thematisch reichhaltiger und auch besser anzuhören, aber Tyler wartet ebenfalls mit tollen Titeln auf, sowohl im Action-Bereich als auch in den ruhigeren Passagen. Wurde ihm also von Elfman die Schau gestohlen? Im Prinzip ja. Aber das ändert nichts daran, dass man für so eine detailliert instrumentierte und coole Superhelden-Musik einfach nur 4/5 Punkte vergeben kann. Ob Tylers ursprünglicher Score nun teilweise abgelehnt oder einfach nicht rechtzeitig fertiggestellt wurde, ist letztendlich irrelevant, Brian Tyler und Danny Elfman geben ihr Äußerstes, bleiben ihrem jeweiligen Stil treu und servieren, was ihre Fans sich wünschen – was will man mehr? Klare Empfehlung also für diesen Super Soundtrack, noch dazu einer der besten aus dem Hause Marvel – wenn nicht sogar DER Beste!

Trackliste mit Längenangabe und Anspieltipps:

  1. Avengers: Age of Ultron Title (Tyler) – 0:44

  2. Heroes (Elfman) – 2:07

  3. Rise Together (Tyler) – 2:24

  4. Breaking and Entering (Tyler) – 3:04

  5. It Begins (Elfman) – 2:43

  6. Birth of Ultron (Tyler) – 3:06

  7. Ultron-Twins (Elfman) – 4:14

  8. Hulkbuster (Tyler) – 4:33

  9. Can You Stop This Thing? (Elfman) – 1:04

  10. Sacrifice (Tyler) – 2:42

  11. Farmhouse (Elfman) – 4:03

  12. The Vault (Tyler) – 2:58

  13. The Mission (Tyler) – 2:48

  14. Seoul Searching (Tyler) – 2:48

  15. Inevitability-One Good Eye (Elfman) – 5:08

  16. Ultron Wakes (Elfman) – 1:43

  17. Vision (Tyler) – 3:48

  18. The Battle (Tyler) – 4:25

  19. Wish You Were Here (Tyler) – 1:37

  20. The Farm (Elfman) – 1:14

  21. Darkest of Intentions (Tyler) – 2:27

  22. Fighting Back (Tyler) – 2:33

  23. Avengers Unite (Elfman) – 1:08

  24. Keys to the Past (Tyler) – 1:49

  25. Uprising (Tyler) – 2:32

  26. Outlook (Tyler) – 2:39

  27. The Last One (Tyler) – 2:14

  28. Nothings Lasts Forever (Elfman) – 1:58

  29. New Avengers – Avengers: Age of Ultron (Elfman) – 3:10


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