Kung Fu Panda 3 – Hans Zimmer

kfp3-soundtrack-cover1Musik komponiert und produziert von
Hans Zimmer
Score produziert von
Lorne Balfe
Dirigiert von
Gavin Greenaway
Orchestriert von
Òscar Senén & Joan Martorell
Ergänzende Musik von
Paul Mounsey
Original „Kung Fu Panda“-Themen von
Hans Zimmer & John Powell
„Father and Son“-Thema komponiert von
Lorne Balfe

“Kung Fu Panda 1 & 2” gehören nicht nur zu den besten Familienfilmen der letzten Dekade, sie wurden auch noch – neben “How To Train Your Dragon” – mit den gelungensten Animationsfilm-Scores der Moderne ausgestattet. Hans Zimmer und John Powell komponierten für die ersten beiden Teile der inzwischen zur Trilogie ausgewachsenen Filmreihe wahre Meisterwerke, die auf fantastische Weise traditionell chinesischen Klängen Tribut zollten und diese mit der Rasanz eines modernen Symphonie-Orchesters natlos verbanden. Für den ebenfalls sehr unterhaltsamen dritten Part der erstaunlich epischen Saga um den tollpatschigen Panda Po stand John Powell aus irgendeinem Grund nicht mehr zur Verfügung, es könnte sein, dass er mit der überraschenden Arbeit an “Pan” bereits ausgelastet war, es scheint aber so, als würde sich der Brite zurzeit einfach eine Pause gönnen. Hans Zimmer kehrte jedoch für das Sequel zurück und gibt sein Bestes, die durch Powells Abwesenheit entstandene Lücke zu füllen, denn der “Horn-King”, wie ich Powell gerne nenne, war maßgeblich an der Orchestrierung und den Melodien der Vorgänger beteiligt und überschattete somit den Stil seines Lehrers zumeist. Doch bei Animations-Filmen läuft Zimmer normalerweise zur Höchstform auf und dies ist auch hier geschehen: Dass Powell nicht mehr dabei ist, ist ein Wermutstropfen, welchen der Umstand, dass Hans Zimmer sich redlich bemüht, sich dessen Markenzeichen anzueignen, nicht ganz trocknen kann, aber “Kung Fu Panda 3” ist letztendlich fast genauso gut gelungen wie seine Vorgänger.

Das Album eröffnet mit einer sehr schönen Variation eines der Hauptthemen der ersten beiden Teile, welches vor allem für das mystische am Kung Fu und deren Verkörperung in der Gestalt Meister Oogway´s steht sowie als eine Art Erlösungs-Musik fungiert. Diese Version enthält ein tolles Klavier-Solo des berühmten Pianisten Lang Lang, welches auf unverwechselbare Art asiatisch klingt. (Es ist mir ein Rätsel, wie das funktioniert. Es muss eine bestimmte Anschlag-Technik sein.) In “Hungry for Lunch” heißt Zimmer seine Hörer auf die wohl beste Art willkommen, die man sich vorstellen kann, denn der Titel ist eine furiose Mischung aus so ziemlich allen wichtigen Themen, die man schon aus den Vorgängern kennt, angeordnet als kleine flotte Suite. Etwas ähnliches hatte John Powell auch schon im zweiten “Dragon”-Score vollbracht. “The Power of Chi” ist da viel ruhiger, mit hübschen Statements von Po´s Themen. Hier fällt spätestens auf, dass sich Zimmer sehr viel mehr noch als in den ersten beiden Filmen auf typische chinesische Instrumente verlässt, Erhu, Zhonghu, Gaohu (Streichinstrumente), Guzheng (Zither) und Pipa (gezupfte Laute) kommen in diesem Soundtrack ausgiebig zu ihrem Recht. Unter der Leitung von Gavin Greenaway fügen sich diese nach wie vor herrlich organisch in das Orchester ein. Track 4 etabliert das Thema für Bösewicht Kai, eine extreme Ohrwurm-Melodie, die sowohl bedrohlich als auch leicht komisch klingt, allerdings der Unterstimme des Songs “I´m so sorry” von der Band “Imagine Dragons” entnommen ist (Bamm Bamm Ba-Damm), dabei aber grandios passt.

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“A New Father” wartet mit mehreren wunderbaren Einsätzen von Po´s Hauptthema auf, welches im zweiten Teil viel zu kurz kam. “The Hall of Heroes” überrascht mit einem modernen Beat, welcher die rasante Orchester-Arbeit unterstützt, am Schluss kehrt Kai´s Thema kurz wieder. “The Legend of Kai” ist da schon ausschweifender, auf epische Weise channelt der Soundtrack das Mystik-Thema, gegen Ende wird es etwas fröhlicher. “The Panda Village” stellt ein neues Thema für Chor und Streicher vor, welches vor Erhabenheit nur so strotzt, bis es bei 1:07 in eine wundervolle Variation eines der Po-Themen übergeht. “Mei Mei´s Ribbon Dance” erklingt bewusst stereotyp und entsprechend exotisch, auch hier dominiert die Erhu, unterstützt von Flöten, Klanghölzern und chinesischen Percussions. In “Jaded” hört man abermals das Kai-Motiv, eingeleitet von unterschwelliger Spannung, in welcher sich die Musik gar eine gewisse Dissonanz traut. Auch elektronisches Wummern kommt zum Einsatz und dient einer düsteren Action-Passage als Basis, welche in der zweiten Hälfte beginnt und im Film eine der wohl besten je auf die Kino-Leinwand gebrachten Trainings-Montagen untermalt, Streicher, Trommeln und tolle Blechbläser-Stimmen tun ihr übriges, dafür zu sorgen, dass dieser Track ordentlich Eindruck hinterlässt. Zum Glück gönnt einem “How To Be an Panda” mit ausgiebigem Mickey-Mousing eine Ruhepause von dem Schurken-Material, “Portrait of Mom” rührt mit einem traurigen Flöten-Solo, Klavier und leisem Chor das Herz, bevor Kai´s Musik “Po Belongs” eröffnet und den Startschuss für ein Wechselspiel von Bedrohung und Triumph gibt, vorgetragen mit Streichern, Holz- und Blechbläsern und Schlagwerk.

“Kai is Closer” bietet zuerst langsamen Spannungs-Aufbau, bevor bei 2:30 mit vollem Orchester erneut das Abenteuer einsetzt, kraftvoll wie selten zuvor. “Two Fathers” ist wieder besonnen und melancholisch, ab der Hälfte setzt plötzlich rufender Männerchor ein und kurze Streicher-Sätze sowie Schlagwerk übernehmen für einige Momente das Ruder, bis Chor einsetzt und das Panda-Dorf-Thema noch einmal erklingt. “The Battle of Legends” schließlich entfesselt die Action, Kai´s Motiv wird virtuos mit den bekannten Themen für Po und seine Kampfkunst verwoben, unterstützt von schmetternden Blechbläsern und sausenden Streichern. Mystik und Epik bestimmen “The Spirit Realm”, die sich steigernden Streicher-Wellen gegen Ende treiben dem Hörer fast die Schweißperlen auf die Stirn. “The Dragon Warrior” eröffnet mit dem majestätischen Kung Fu-Thema, bis der Titel zu einer derart epischen und emotionalen Hymne für Chor, Trommeln, Streicher und Fanfaren übergeht, dass man vor Begeisterung aufspringen möchte. Diese Melodie ist eng mit der des Panda-Dorfes verwandt und kann als eine heroische Erweiterung desselben betrachtet werden. Die Trainings-Musik aus Teil 1 eröffnet “Passing the Torch”, wechselt dann zu einer gefühlvollen Variante des Oogway-Motivs und wird in der Mitte lauter. Bei 3:29 ertönt das Po-Triumph-Thema in all seiner Pracht und geht über in wahrhaftigen Orchester-Jubel. Mit “Father and Son” klingt der eigentliche Score aus, Glockenspiel, Streicher und Flöten formen das neue Helden-Thema ein weiteres Mal. Sollte es irgendwann einen vierten Teil geben, muss man diese Melodie unbedingt weiter ausbauen!

Das Soundtrack-Album enthält drei Songs, zwei davon sind neue Cover des Liedes “Kung Fu Fighting”, welches den Abspann des ersten Teils untermalte. Die erste Version, mit den Metro Voices und dem Chor des Shanghai Roxi Musical Studios ist teilweise auf chinesisch gesungen und vollständig orchestriert, was ziemlich cool klingt. Die zweite wird von den “Vamps” performt, ist vom Stil her sehr viel moderner und hört sich etwas zu sehr nach Boyband an. “Try” ist flott und munter, aber auffällig Disney-Channel-Sitcom-mäßig und alles in allem beschämend generisch.

Fazit:

“Kung Fu Panda 3” ist mit Abstand der beste Zimmer-Soundtrack seit “The Lone Ranger”: Es gibt zwar nur eine Handvoll neuer Themen, aber diese fügen sich wunderbar in das Konzept der ersten beiden Scores ein und der Übergang zwischen den alten und neuen Motiven ist unglaublich flüssig und stets passend, sodass man extrem die Ohren spitzen muss, um ja keines der clever eingewobenen Statements zu verpassen. Durch die fehlende Beteiligung von John Powell mangelt es der Musik zwar ein wenig an dem Bombast und der Wucht der Vorgänger, aber Hans Zimmer bietet tolle neue Variationen von bekanntem und frischem Material und die Orchester-Arbeit überrascht mit einer noch größeren Beteiligung chinesischer Instrumente, die durch bemerkenswerte Klänge für wunderbare Abwechslung sorgen. Noch dazu gibt es hier auffallend viele ruhige, verspielte und sogar rührende Passagen, vor allem mehr als noch im zweiten Teil, der fast von Anfang bis Ende ziemlich drauflos powerte. Dies ist natürlich auch dem Film geschuldet, der Action, Comedy und Drama wesentlich besser zu dosieren vermag, als es sein Vorgänger tat. Wer die Scores von “Kung Fu Panda 1 und 2” schon mochte, der macht mit diesem Album nichts falsch. 4/5 Punkte für “Kung Fu Panda 3”, der einen guten Start ins Soundtrack-Jahr 2016 garantiert!

Trackliste mit Längenangabe und Anspieltipps:

  1. Oogway´s Legacy – 2:01
  2. Hungry for Lunch – 1:15
  3. The Power of Chi – 4:12
  4. The Arrival of Kai – 2:01
  5. A New Father – 3:14
  6. The Hall of Heroes – 3:00
  7. The Legend of Kai – 4:02
  8. The Panda Village – 3:40
  9. Mei Mei´s Ribbon Dance – 2:05
  10. Jaded – 3:54
  11. How To Be a Panda – 1:54
  12. Portrait of Mom – 1:49
  13. Po Belongs – 2:52
  14. Kai is Closer – 3:15
  15. Two Fathers – 3:12
  16. The Battle of Legends – 3:32
  17. The Spirit Realm – 3:18
  18. The Dragon Warrior – 2:51
  19. Passing the Torch – 4:15
  20. Father and Son – 3:00
  21. Kung Fu Fighting (Celebration Time) (Shanghai Roxi Musical Studio Choirs & Metro Voices London) – 2:59
  22. Try (Jay Chou & Patrick Brasca) – 4:00
  23. Kung Fu Fighting (The Vamps) – 3:05

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