The BFG – John Williams

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Musik komponiert, orchestriert
& dirigiert von
John Williams
Musik produziert von
John Williams
Flöten-Soli von
Heather Clark

In all den Jahren, die ich schon als Soundtrack-Kritiker tätig bin, ist es unbegreiflich, dass ich bisher noch nie ein Werk des ultimativen Filmmusik-Giganten überhaupt besprochen habe: John Williams. Nicht nur kennt jeder seine unzähligen Arbeiten, so ziemlich jeder liebt sie auch: Die mächtigen “Star Wars”-Klänge, den “Raiders March”, ohne den Indiana Jones nicht das wäre, was er ist, oder “Hedwig´s Theme”, welches Harry Potter auf seinen Abenteuern begleitet, niemand kann sich dem Zauber entziehen, welchen Williams´ Scores so wundervoll verbreiten. Mit wenigen Ausnahmen hat Williams sämtliche Filme von Steven Spielberg vertont, bei “Bridge of Spies” musste allerdings Thomas Newman in die Bresche springen, da Williams mit dem neusten “Star Wars”-Score voll ausgelastet war. Doch für “The BFG”, Spielbergs märchenhafte Buchverfilmung, sind beide Genies wieder vereint. Herausgekommen ist ein wahrhaftig magischer Soundtrack, welcher die Unverzichtbarkeit von John Williams zum wiederholten Mal felsenfest untermauert.

Ein 6-Noten-Motiv, welches der jungen Heldin Sophie gewidmet ist, bildet den Kern des Scores. Es wird erstmals in “Overture” bei 0:10 vorgestellt und zieht sich von dort an durch das ganze Album. Besonders prominent kommt es in “Building Trust”, “Snorting ans Sniffing”, “Sophie´s Future” und vor allem in “Finale” und “Sophie and the BFG” vor, wobei es zahlreiche Variationen durchläuft, unter anderem ein rührendes Klavier-Solo in “Finale” und eine eher zögernde Version in “Building Trust”, wobei es sowieso schon eine melancholische Färbung enthält. Für den BFG selbst gibt es mehrere musikalische Ideen, darunter eine Art “Reise-Thema”, welches “To Giant Country” als großartiger Waltzer dominiert und auch in “Sophie and the BFG” auftritt. Ansonsten wird der sanfte Gigant vor allem durch bestimmte Instrumente charakterisiert, etwa sehr tiefe Holzbläser und Hörner. Die bösen menschenfressenden Riesen bekommen einen komödiantischen Marsch verpasst (“Fleshlumpeater”), ebenfalls für Hörner geschrieben, welcher ihnen zwar viel von ihrer Bedrohlichkeit nimmt, aber dennoch mehr als angemessen ist. In “Giants Netted” kehrt es am auffälligsten zurück.

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Die Träume, welche der BFG einfängt und in der Welt verteilt, finden ihre Schlüssel-Instrumente in hellen und flotten Holzbläsern, wohingegen die Albträume weitaus garstiger vertont werden, mit schrillen Trompeten und dunklen Trombonen. Dies ist auch die richtige Stelle, um über den allgemeinen Stil und die Orchestrierung zu sprechen: “The BFG” lässt sich am ehesten mit den Williams-Scores für “Hook”, “The Adventures of Tintin”, “E.T.”, “Home Alone” und vor allem seinen Arbeiten für die “Harry Potter”-Reihe vergleichen. Das ganze Album ist von einer sehr kindlichen, unschuldigen und vor allem märchenhaften Atmosphäre geprägt, was sich in der Wahl der Instrumente niederschlägt, denn die treibende Kraft der Musik sind die Holzbläser. Die Art und Weise, wie fließend Williams von Flöten zu Klarinetten zu Oboen zu Piccolos und wieder zurück wechselt ist schlichtweg atemberaubend und wundervoll anzuhören. Ein großes Lob gebührt hier Heather Clark, eine wahre Flöten-Virtuosin. Man erkennt oft Spuren aus anderen Soundtracks von Williams, das Material für die Albträume erinnert an das Voldemort-Motiv und besonders in den flotteren Titeln kann man Parallelen zu den oben erwähnten Alben erkennen. Das heißt nicht, dass John Williams sich einfach nur selbst kopiert hat, aber nach so vielen Jahren in Hollywood ist sein Stil einfach derart distinktiv und unverwechselbar geworden, dass es schwer ist, nicht in irgendeiner Form Vergleiche aufzustellen.

Der Score ist nicht nur pures Schwelgen in märchenhaften Melodien, ab und zu wird die Musik action-reicher und teilweise sogar bedrohlich: “Sophie´s Nightmare” bietet schnelle, düstere Streicher und Blechbläser, die Unruhe und Hast erzeugen, “The Witching Hour” erklingt gruselig und geheimnisvoll, “Frolic” ist ein Comedy-Tanz mit klassischer Färbung, “Snorting and Sniffing” verströmt Abenteuer-Feeling und “The Queen´s Dream” sowie “Giants Netted” sind einfach nur grandios, so rasant und lebendig tönt es aus den Boxen. Dafür ist “Meeting the Queen” natürlich bedächtig und majestätisch und die Musik findet immer wieder zu einem sehr verträumten und gemächlichen Stil zurück, welcher einen guten Teil des Albums ausmacht. “Sophie and the BFG” fasst in einer Suite alles zusammen, was der Score zu bieten hat.

John Williams blüht als Orchestrator förmlich auf und liefert eine breite Palette an Arrangements ab, die für wahnsinnig viel Abwechslung sorgen, den Hörer verzaubern, ängstigen, rühren und zum lachen und träumen bringen, oft innerhalb desselben Titels. Die Qualität der Aufnahme ist fantastisch, die Instrumente fliegen von einer Stimmung zur anderen, von Melodie zu Melodie mit einer Leichtigkeit, die einfach nur begeistert. Ob nun Holz- oder Blechbläser, Streicher, Glockenspiel oder Harfe, alles ist gut eingebaut, nicht eine Note wirkt fehl am Platz, nicht ein Ton scheint überflüssig.

Fazit:

Viele Fans von John Williams werden diesen Score sicher nicht als einen seiner besten ansehen, was ich gut verstehen kann. Er besitzt nicht die epische Qualität vieler seiner anderen Arbeiten und ist auch sicher nicht der originellste. Man muss jedoch berücksichtigen, dass der gute Mann immerhin schon 84 Jahre alt ist und der Tatsache ins Auge sehen, dass er immer noch Musik schreiben kann, deren Qualität weit über den besten Kompositionen vieler seiner Kollegen steht. “The BFG” mag einigen zu schmalzig oder blass erscheinen, ich jedoch bin hin und weg. Die Musik hat alles zu bieten, was ich an John Williams liebe: Viele erinnerungswürdige Themen, grandiose Orchester-Arbeit sowie einen Überfluss an Variation und Ideen-Vielfalt. All das lässt mich die Höchstwertung von 5/5 Punkten vergeben, denn wenn schon nicht Williams´ bester, so ist “The BFG” auf jeden Fall einer der besten Scores des Jahres 2016.

Trackliste mit Längenangabe und Anspieltipps:

  1. Overture – 1:20

  2. The Witching Hour – 4:42

  3. To Giant Country – 2:35

  4. Dream Country – 10:12

  5. Sophie´s Nightmare – 1:59

  6. Building Trust – 3:27

  7. Fleshlumpeater – 1:38

  8. Dream Jars – 3:32

  9. Frolic – 1:45

  10. Blowing Dreams – 3:48

  11. Snorting and Sniffling – 2:14

  12. Sophie´s Future – 2:31

  13. There was a Boy – 3:32

  14. The Queen´s Dream – 3:09

  15. The Boy´s Drawings – 3:07

  16. Meeting the Queen – 3:02

  17. Giants Netted – 2:05

  18. Finale – 2:14

  19. Sophie and the BFG – 8:09


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