Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows – Steve Jablonsky

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Musik komponiert von
Steve Jablonsky
Dirigiert von
James Seale
Orchestriert von
Penka Kouneva, Larry Rench
& Jeremy Borum
Ergänzende Musik von
Gary Dworetsky, Dave Fleming,
Jay Flood & Corey Allan Jackson
Original Turtles-Thema von
Dennis Brown & Chuck Lorre

Für das Sequel der 2014 von Michael Bay neugestarteten Reihe des “Teenage Mutant Ninja Turtles”-Franchises wechselte nicht nur der Regisseur (an Jonathan Liebesmans Stelle trat Dave Green), sondern auch der Komponist. Für den ersten Teil schrieb Brian Tyler einen der besten Scores des Jahres mit einem tönenden Main Theme und deftig orchestrierten Action-Sequenzen. “Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows”, welcher im Vergleich zum Vorgänger einiges besser macht, aber letztendlich doch nur oberflächliches Blockbuster-Kino von der Stange ist, wurde ein Komponist verpflichtet, der nicht nur mehrfach für Michael Bay persönlich, sondern auch viele Male die von ihm und seiner Firma “Platinum Dunes” produzierten Werke vertonte: Steve Jablonsky. Nach dessen viel beachtetem ersten “Transformers”-Score wurden seine Beiträge zu den Krawumm-Orgien immer mittelmäßiger und abgesehen von einigen Ausfällen nach oben innerhalb der letzten Jahre (“Your Highness”, “Ender´s Game”) konnte keine seiner Arbeiten wirklich überzeugen. Umso mehr freut es mich, diese Zeilen schreiben zu können, denn der hier besprochene Score ist mit Abstand sein bestes Werk seit langer Zeit! Tatsächlich hätte er schon die Musik zum ersten Teil schreiben sollen, bevor Brian Tyler auf den Plan trat, und so funktioniert das vorliegende Album auch als eine Art Entschädigung für die Fans, die Jablonsky schon von vornherein für die Helden in der Halb-Schale bevorzugten.

Ein gewaltiges Plus des Albums ist seine erstaunliche Vielzahl von Themen, darunter gleich drei (!!!) für die Turtles selbst: Das erste ist im besten Sinne übertrieben heroisch und feiert seine Premiere in “Squirrel Formation”, anfangs noch sehr majestätisch, anschließend in mehreren flotteren Variationen, wobei es einige Ähnlichkeiten mit dem Haupt-Thema aus “Transformers” nicht ganz verbergen kann. Es kommt mehrfach auf dem Album vor, unter anderem in “Shredder Escape”, “Jump!” “Toy Chest”, “Close the Portal” und, zuerst in einer sanften, später noch in einer triumphalen Version, in “Brothers”.

Das zweite könnte man den “Tartaruga-Rhythmus” nennen, dieser besteht aus Percussion-Schlägen, die ein wenig nach “Terminator” klingen und im Fall von “Tartaruga Brothers” das erste Thema untermalen, dieses “Motiv” tritt aber nur sporadisch auf. Viel wichtiger ist das dritte Thema für die Turtles, welches in “Shredder Escape” bei 3:18 vorgestellt wird und im Prinzip eine organische Mischung und Weiter-Entwicklung der ersten beiden Motive ist. In Suite-Form dominiert dieses Stück mehrere Titel, darunter “Turtle Power”, “Jump!”, “Just One Sip” und “Close the Portal”. Jedes Thema sowie jede Variation passt hervorragend zu den Figuren.

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Auch die zahlreichen Schurken (mit Ausnahme von Bebop und Rocksteady) bekommen jeweils ihr eigenes Thema spendiert. Das für den Shredder ist unheilvoll und martialisch mit japanisch inspirierten Percussion, dunklen Celli, einiger Elektronik-Unterstützung sowie Männer-Chor. Es erhält sein erstes Statement in “Shredder” und kehrt in “Shredder Escape”, “Transformation” und “Launch the Beam” zurück. Das Alien-Tentakel-Monster Krang, im Film selbst sträflich unpräsent, bekommt düstere, elektronische Klänge mit einer leicht “funky” anmutenden Melodie spendiert, die an Horror-Filme aus den 80ern denken lässt. Das häufige Vorkommen des Motivs (“Krang”, “Transformation”, “Technodrome Assembles”, “Just One Sip”, “Toy Chest” und “Turtles Meet Krang”) sowie dessen clevere Mischung mit dem des Shredders hier und da machen aus Krang einen sehr viel besseren Schurken, als er im Film tatsächlich ist. Die Musik gibt ihm Charakter, Bedrohlichkeit und Profil!

Baxter Stockman, dem verrückten Wissenschaftler unter den Bösewichtern, sind listige, spannungs-geladene Klänge mit hellen Streichern, leisen Percussion und Blechbläsern gewidmet, zu hören im gleichnamigen Titel und auch in “Transformation”. Die “Mitstreiter” der vier Mutanten-Brüder haben auch ihre eigenen musikalischen Identitäten, zum Beispiel “Casey Jones” mit E-Gitarre und auf- und absteigenden Streichern oder “The Falcon”, welcher ein auf Heimlichkeit und Comedy getrimmtes altmodisches Synthie-Motiv zu bieten hat. Die Action nimmt natürlich einen großen Teil des Albums ein und kommt angemessen tönend und dabei so unverblümt ironiefrei und in-your-face daher, dass man tatsächlich mitgerissen wird und gar nicht anders kann, als den Score ernst zu nehmen. Titel wie “Shredder Escape”, “Foot Clan Chase”, “Casey Jones” und auch “Fight on the Technodrome” bekräftigen dies sehr wirkungsvoll, an echten Ruhepausen mangelt es jedoch, sieht man mal von “Become Human” und “The Falcon” ab, die ein wenig Herzlichkeit, aber auch Komik in das ansonsten fast nonstop laute und schnelle Album bringen.

Die Orchester-Arbeit ist ebenfalls positiv hervorzuheben, Jablonsky mixt hier Instrumente und Elektronik viel gekonnter als zum Beispiel in “Battleship”, allerdings fällt eine bestimmte Streicher-Welle auf, zum ersten Mal präsent in “Shredder Escape” ab 1:52, die extrem an ein ähnliches Motiv aus Tom Holkenborgs “Mad Max: Fury Road” erinnert. Abgesehen davon bekommen die Boxen der Anlage sowieso kaum Zeit zum Luftholen, die Musik ist stets energetisch und voller Leben. Abgerundet wird das Hörerlebnis mit einer Jablonsky-Version des Original-TV-Themas von Dennis Brown und Chuck Lorre, welche grandios passt und mehr als nur ein nettes Easter-Egg für Fans ist.

Fazit:

Höchstwahrscheinlich gab es keine bessere Zeit als das Jahr 2016 für einen Score wie diesen. Noch vor ein paar Jahren hätte ich diese Musik wahrscheinlich als oberflächliches und zu bemühtes Hollywood-Produkt abgetan, einen pseudo-bombastischen Action-Score von der Stange, der viel will, aber wenig bewirkt. Doch in einer Zeit, in der viele Comic-Verfilmungen düstere und unerträglich dröhnende Ohrenfolter-Soundtracks spendiert bekommen (“Batman v Superman”, “Suicide Squad”), da ist ein Score wie “TMNT: Out of the Shadows” genau richtig: Spaßig, wuchtig, kreativ, aufrichtig und mit einer erstaunlichen Themenvielfalt verdient Steve Jablonskys neueste Arbeit 4/5 Punkte und ich empfehle das Album allen, die beim Anhören eines Superhelden-Action-Scores endlich wieder einmal Freude und leichtherzigen Pathos spüren wollen statt Schwermut, Trauer und Depression.

Trackliste mit Längenangabe und Anspieltipps:

  1. Squirrel Formation – 3:03

  2. Shredder – 3:38

  3. Tartaruga Brothers – 3:00

  4. Baxter Stockman – 2:26

  5. Shredder Escape – 6:27

  6. Krang – 5:01

  7. Turtle Power – 2:30

  8. Transformation – 3:12

  9. Foot Clan Chase – 3:05

  10. Casey Jones – 2:28

  11. Become Human – 1:48

  12. The Falcon – 3:04

  13. Jump! – 5:16

  14. Launch the Beam – 1:10

  15. Technodrome Assembles – 1:53

  16. Just One Sip – 4:42

  17. Toy Chest – 2:27

  18. Turtles Meet Krang – 4:19

  19. Fight on the Technodrome – 2:13

  20. Close the Portal – 2:34

  21. Brothers – 2:52

  22. Half Shell (Dennis Brown & Chuck Lorre) – 1:50


2 Gedanken zu “Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows – Steve Jablonsky

  1. So, ich bin endlich mal dazugekommen, in TMNT 2 reinzuhören. So ganz teile ich den Enthusiasmus zwar nicht, aber grundsätzlich ist das defintiv ein mehr als solider und unterhaltsamer Action-Score. Mir geht’s ganz ähnlich; vor ein paar Jahren wäre er wahrscheinlich stärker zurückgefallen, aber nach Sondermüll wie BvS oder vom Orchester gespielter Langeweile wie „Suicide Squad“ weiß man solche Sachen dann auch wieder zuschätzen, auch wenn mir die elektronischen Bestandteile hin und wieder etwas zu stark waren. Nebenbei: Liegt das an mir oder hat sich der Schrei des Winter Soldiers in „Krang“ und „Turtles Meet Krang“ das eine oder andere Mal einen Gastauftritt?

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