Guardians of the Galaxy Vol. 2 – Tyler Bates

Guardians of the Galaxy Vol. 2 (Original Score)Musik komponiert und produziert von
Tyler Bates
Dirigiert von
Tim Williams
Orchestriert von
Tim Williams, Erik Aho, Bryan D. Arata,
Sacha Chaban, Kieran Kiely, Vincent Oppido,
Chad Cannon & Steven O. Scott
Musik arrangiert von
Tim Williams & Kurt Oldman

Es ist unglaublich, dass es schon 3 Jahre her ist, seit ich den Score für „Guardians of the Galaxy“ besprochen habe, da ich mich noch ganz genau an meine helle Freude erinnern kann aufgrund der Tatsache, dass es endlich einen Score von Tyler Bates gab, den ich sehr mochte. Einige Komponisten brauchen einfach den richtigen Film, um wirklich zu zeigen, was sie können, und das abgedrehte Space-Abenteuer von James Gunn war ein mehr als dankbares Projekt und bot die Vorlage für krachende Action, ein heroisches Main Theme und sogar sehr gefühlvolle und herzliche Musik. Entsprechend war ich sehr gespannt auf seinen Beitrag für die zweite Runde der Galaxy-Outlaws, obgleich der Score auch in diesem Fall ein wenig von den wundervoll ausgewählten Songs auf Starlords Walkman beiseite gedrängt zu werden drohte. Genau wie der Film hat mich auch der Score sehr überrascht: Der Film selbst ist sehr viel emotionaler und tiefer, als man bei einem Konzept dieser Art vermuten würde (wir reden hier immerhin von einem Film mit einem sprechenden Waschbären, einem kleinen Baummännchen, das sich nur mit „I am Groot“ verständigen kann sowie einem blauen Banditen, dessen Waffe ein Pfeil ist, den er mittels pfeifen überall hinfliegen lassen kann), und genauso ist auch die Musik: Neben ausladenem Bombast und viel Action steckt auch erstaunlich viel Emotion und Herz in der Musik, viel mehr, als von vornherein gedacht. Dennoch ist Tyler Bates‘ Arbeit hier beiweitem nicht weniger actionreich oder gar schlechter als die zum ersten Teil – allenfalls reifer, und (genau wie die Helden selbst) um einiges gewachsen!

Wie erwartet bildet das Helden-Motiv der Guardians auch hier eines der Kernelemente des Scores. Es eröffnet den ersten Track, “Showtime A-Holes” und kommt in vielen weiteren Titeln vor, im folgenden “vs. The Abilisk” etwa ab 1:37 in der schon aus Vol. 1 bekannten, verspielten Form, in “The Mantis Touch” auf Klavier, in “Groot Expectations” sogar als Glockenspiel-Version und besonders heroisch in “Two-Time-Galaxy Savers“. Das Statement bei 2:12 ist wahrscheinlich meine neue Lieblings-Variation des Themas, so extrem fröhlich und energetisch mit großartigen Blechbläsern könnte es selbst John Powell nicht besser. In “Kraglin and Drax” hört man es mit Chor, in “The Expansion” erklingt es tragisch und in “Gods” traurig und schließlich in “Guardians of the Frickin‘ Galaxy” sehr feierlich. Obwohl es einigermaßen oft auf dem Score vorkommt, verwendet Tyler Bates es nicht so oft, wie er wahrscheinlich gekonnt hätte und geht tatsächlich sehr leitmotivisch mit dem Motiv um, da die Guardians einen Großteil des Films getrennt voneinander verbringen. Außerdem ist er des öfteren sehr clever, wenn es darum geht, das Thema organisch in das Geschehen einzubauen. In dem Action-Track “Space Chase” und dem eher unheimlichen “I Know Who You Are” versucht das Motiv, mehrfach hervorzutreten, sich zu behaupten, schafft es jedoch nicht, durchzukommen und wird vom Rest der Musik unterbrochen, bis es im letzteren Fall am Schluss doch noch in einer verdrehten, unvollständigen Form zu hören ist.

Genau wie der Film hat auch das Album einiges an Action anzubieten. Die erste Hälfte von “vs. The Abilisk”, “Space Chase”, “Mammalian Bodies”, “Two-Time-Galaxy Savers”, “Ego”, “Kraglin and Drax”, und Teile von “Mary Poppins and the Rat” sind extrem laut, furios und deftig. Auch in diesem Score lassen sich in einigen Titeln die aus “Mad Max: Fury Road” bekannten abfallenden Streicher-Ostinati finden (nun definitiv ein neuer Trend, kein Zweifel daran), außerdem sind eine Menge tönender Chor und wahrhaftig beeindruckende Blechbläser beteiligt, die in ihren brachialsten Momenten an Don Davis‘ “Matrix”-Scores erinnern (hört euch nur “Ego” an). So gelungen die Action-Titel auch sind, so fehlt einigen von ihnen doch ein wenig eine richtungsgebende Melodie und wirken deshalb etwas ziellos, ein ähnliches Problem hatten auch die entsprechenden Tracks in Brian Tylers “Avengers: Age of Ultron”-Anteil. Aber das ist bestenfalls Meckern auf hohem Niveau. Tatsächlich übertreibt die Action dermaßen, ist so überdeutlich und furchtlos “In Your Face”, dass man es fast schon als Parodie der typischen Marvel-Action-Musik betrachten kann. Genau wie der Film ist sich die Musik genauestens der Tatsache bewusst, was sie ist und ist dementsprechend zügellos und frei, was tatsächlich relativ erfrischend ist.

Einen erstaunlich großen Anteil der Musik nimmt unverfälschte, ehrliche Emotion ein, was zum Überthema des Films, Familie, passt. “The Mantis Touch” ist verspielt und träumerisch, in “Family History” hören wir zum ersten Mal das Motiv des Vater-Themas, welches zentral für die Handlung ist. Es ist majestätisch, sanft und sehr herzlich, hier mit Streichern, etwas Chor und auch Holzbläsern vorgetragen, es liegt aber auch eine gewisse Tragik darin. Den absoluten Höhepunkt bildet jedoch “Dad”, welcher wahrscheinlich der emotionalste Titel ist, den Tyler Bates jemals komponiert hat (und welchen er schon Monate vor Filmstart mit James Gunn online direkt aus dem Aufnahme-Studio teilte, wo er vom vollen Orchester live gespielt wurde). Das Vater/Familien-Thema erfährt hier sein volles Statement, extrem herzzerreißend, besonders ab 1:14 mit Streichern und Chor unglaublich gefühlvoll. Diese Stimmung setzt sich über die drei letzten Titel fort und lässt das Album auf einer sehr intimen, friedvollen und schönen Note ausklingen. Einige andere Titel heben sich noch zusätzlich von der Norm ab, “I Know Who You Are” ist bedrohlich und lässt mit dissonantem Klavier und E-Gitarre regelrechtes Horror-Feeling aufkommen, “The Expansion” ist ausschweifend und dramatisch und “Groot Expectations” bietet pfiffige Heimlichkeits-Musik mit leisen Trommeln, gezupften Streichern und hier und da Horn-Unterstimme, Christophe Becks “Ant-Man” nicht unähnlich. Dieser Titel untermalt dazu eine der witzigsten Szenen des Films.

Fazit:

“Guardians of the Galaxy Vol. 2” hat nicht nur wieder einen herrlich zusammengestellten Soundtrack mit wundervollen Songs, sondern auch einen Score, der dem “Awesome Mix” ebenbürtig ist. Tyler Bates übertrifft seine Arbeit zum ersten Teil zwar nicht nennenswert (wenn man von den emotionalen Parts absieht), aber einen Rückschritt hat er auch nicht gemacht. Ein weiteres Mal beweist er, dass die Guardians seine beste Musik aus ihm herauskitzeln und dass sein ganzes Herzblut in diesem Score steckt, genau, wie es beim ersten Mal der Fall war. Die sich überschlagende Orchestrierung, clevere Statements des Helden-Motivs, gewaltige Action und beinahe zu Tränen rührende Gefühls-Musik machen aus diesem Score eine definitive Empfehlung, der ich 4/5 Punkte gebe. Dabei ist der gesamte Score so eindeutig Selbst-Parodie, dass er im abgedrehten Universum der liebenswerten Outlaws schon wieder ernst genommen werden kann. Und DAS muss man erstmal hinkriegen!

Trackliste mit Längenangabe und Anspieltipps:

  1. Showtime A-Holes – 1:28

  2. vs. the Abilisk – 2:35

  3. The Mantis Touch – 1:54

  4. Space Chase – 3:21

  5. Family History – 3:49

  6. Groot Expectations – 1:57

  7. Mammalian Bodies – 1:51

  8. Starhawk – 1:49

  9. Two-Time-Galaxy-Savers – 3:01

  10. I Know Who You Are – 4:20

  11. Ego – 2:47

  12. Kraglin and Drax – 1:34

  13. The Expansion – 1:05

  14. Mary Poppins and the Rat – 3:08

  15. Gods – 1:28

  16. Dad – 2:28

  17. A Total Hasselhoff – 2:02

  18. Sisters – 2:05

  19. Guardians of the Frickin Galaxy – 1:00

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4 Gedanken zu “Guardians of the Galaxy Vol. 2 – Tyler Bates

  1. Sehe ich insgesamt ziemlich genauso. Bates hebt alles nochmal auf ein höheres Level. Wo es im ersten Teil noch ein paar langweilige Ambience-Passagen gab, die an „Watchmen“ und andere frühere Werke erinnern, die ich nicht allzu sehr schätze, ist das Album hier wirklich durchgehend unterhaltsam. Schöne Themenarbeit, schöne Orchestrierungen, wenn er in dem Stil weitermacht, bin ich gerne bereit, die Gurken von früher zu vergessen.

    Hoffentlich sehen die Russo-Brüder und Alan Silvestri das auch so: Wenn die Guardians in „Infinity War“ auftauchen, wäre es schön, wenn sie ihr Thema mitbringen würden. Nachdem es bezüglich thematischer Kontinuität in Phase 2 doch einige Fortschritte gab, wäre es sehr schade, wenn man nicht weiter daran arbeiten würde.

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    1. Ja, das würde mir auch sehr gefallen. Wusstest du übrigens, dass Christophe Beck in „Ant-Man“ nicht nur Alan Silvestri, sondern auch Henry Jackman zitiert? Kurz danach benutzt er dessen Thema für den Falcon aus „Winter Soldier“. Das fand ich ziemlich cool. Ich hoffe, Infinity War bringt da einiges zusammen.

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      1. Ja, wusste ich. Ich hab es zwar nicht selbst herausgehört, aber in einem Score-Review gelesen, könnte bei Jon Broxton gewesen sein. Definitiv begrüßenswert (ich bin auch sehr beleidigt, wenn Beck nicht für „Ant-Man and the Wasp“ zurückkehrt). Jetzt kommen ja erstmal „Homecoming“ und der dritte Thor, mal sehen, was Mark Motherbaugh veranstaltet. Apropos: Schon den deutschen Titel mitbekommen? „Thor: Tag der Entscheidung“. Das ist ja mal voll daneben. Mit „Thor: Götterdämmerung“ hätte ich ja noch leben können, aber das? Fast so schlimm wie „The Return of the First Avenger“.

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