Captain Underpants: The First Epic Movie – Theodore Shapiro

Captain Underpants_ The First Epic Movie (Original Motion 1Musik komponiert & produziert von
Theodore Shapiro
Dirigiert von
Mark Graham
Orchestriert von
John Ashton Thomas,
Mark Graham & Randy Kerber

Captain Underpants: Der supertolle erste Film“ war für mich eine der größten Überraschungen des Jahres: Basierend auf den hierzulande ziemlich unbekannten Büchern von Dav Pilkey erzählt der Film die Geschichte der Freundschaft zwischen den beiden Viertklässlern George und Harold, welche gemeinsam einen Comic-Superhelden namens Captain Underpants kreieren und dabei ständig von ihrem tyrannischen Schuldirektor ausgebremst werden. Als sie Mr. Krupp mithilfe eines Cornflakes-Hypnose-Rings unter ihre Kontrolle bringen, hält sich dieser für ebenjenen spärlich bekleideten Helden und müssen ihn nun davon abhalten, alles ins Chaos zu stürzen, während sich ein verrückter Wissenschaftler als neuer Lehrer an der Schule einschreiben lässt. Der Film macht bravourös vor, wie man kindischen Toiletten-Humor mit genau der richtigen Wirkung einsetzt und ist nicht nur zum Schreien komisch, sondern auch überraschend herzlich und besonnen, wenn es um die Kernelemente Freundschaft und Kindheit geht.

Theodore Shapiro fristet im weitläufigen Filmmusik-Pantheon eher ein Nischen-Dasein. Oft wird er für leichtherzige Komödien oder Dramen angeheuert (“The Devil Wears Prada”, “Marley & Me”), und bisher war es ihm nur ab und zu vergönnt, wirklich zu zeigen, was er kann: “Tropic Thunder” kitzelte einen warhaft tönenden und gewaltigen Score aus ihm heraus und seine Filmmusik zum Aardman-Stop-Motion-Film “The Pirates: Band of Misfits” war eine der Besten des Jahres 2012. “Ghostbusters” (2016) bot ihm die Möglichkeit, geisterhafte Chöre, wummernde Percussion und ein volles Symphonie-Orchester für einen extrem klangvollen und höllisch unterhaltsamen Soundtrack zu vereinen und „Captain Underpants“ wiederum ist nicht bloß ein reiner Parodie-Score, sondern besitzt auch genügend Grandeur und Emotion, um auf anderen Ebenen überzeugen zu können. Genauer gesagt: Dieser Soundtrack ist ein Riesen-Vergnügen von Anfang bis Ende!

Die Musik baut auf insgesamt drei Themen auf, von denen dasjenige für den Titel-Helden natürlich den Score dominiert. Nach einer kleinen Overtüre hört man es zum ersten Mal in „Comic Book Opening“ ab 1:16 gleich voll orchestral, in bester Tradition des John Williams-Superman-Marsches. Das Motiv ist so übertrieben heroisch und fröhlich, mit schmetternden Blechbläsern und sausenden Streichern, dass es beinahe vollkommen ins Lächerliche abdriftet (beabsichtigt natürlich) und dennoch funktioniert es als ernsthaftes Helden-Thema grandios! In „Bromance Origin Story“ kommt es ab 0:50 abermals vor, während ein tönender Chor voller Inbrunst „Underpants“ singt – so einen wundervoll gegensätzlichen Text sang ein epischer Chor wohl selten zuvor! Ausführlich kehrt das Motiv in „A Hero is Born“ bei 2:16 zurück, diesmal komplett mit „It’s Captain Underpants!“-Chor. Auch in „Bringing Krupp Home“, als reine Chor-Version in „Art Class Liberation“, „Carnival Conniptions“, mit laut hallenden Blechbläsern in „Flip-O-Rama!“, unterlegen in „Really Silly Names“ und schließlich wieder gewaltig in „Saving the Day“ und am Ende von „The Prank for Good“ kommt das Thema zum Einsatz sowie hier und da als kleine Anspielung – und jedes Mal ist es absolut wundervoll! Bereits an dieser Stelle muss ich über die unglaublich detaillierte Orchestrierung schwärmen, welche noch dazu wahnsinnig viel Tiefe besitzt und einfach keine Wünsche offen lässt.

Den großen Gegensatz zum Underpants-Marsch bildet das Motiv für den Schurken, Professor – haltet euch fest – Poopypants. Ebenfalls in Marsch-Form kommt das 6-Noten-Blechbläser-Thema erstmals gegen Ende von „Mad Genius Inventor“ mit Zymbal-Begleitung vor und entlädt sich so richtig in „Brain of a Child“, wobei es wie etwas klingt, was Michael Giacchino locker für „The Incredibles“ hätte komponieren können. Elemente hört man ebenso in „The Nobel Prize“, einschubsweise in „Anti-Humor Boy“, vollständig in „Poopypants Has No Gas“, mit dem Underpants-Marsch in bester Superheldenfilm-Manier ringend in „Flip-O-Rama!“, dramatisch in „Really Silly Names“ und erst übermächtig und schließlich als Abschieds-Statement in „Saving the Day“.

Das dritte und wahrscheinlich wichtigste Thema ist den Jungen George und Harold gewidmet und symbolisiert sowohl ihre Freundschaft als auch ihre infantilen Späße. Es wird in „Treehouse“ vorgestellt als rockiges, mit elektronischen Elementen und „Babadaba“-Gesang, was sehr fröhlich und flott klingt. Leise und kindlich eröffnet es „Bromance Origin Story“ und beendet auch diesen Titel mit einer schönen Klavier-und Streicher-Version, wird jedoch dramatisch und tragisch in „Annihilate the Friendship“ mit aufsteigenden Blechbläsern und Chor. Hier hört man, wie wichtig es ist, auch wirklich in den ensprechenden Momenten mit der Musik düster zu werden, und mag der Rest des Films noch so kindisch sein. Eingearbeitet in Agenten-artige Schleich-Musik ist es in „Snooping“ zu hören, in „Power of the Hypno Ring“ ertönt ein lautes Chor-Statement und auch in „A Hero is Born“ versucht es sich in den Vordergrund zu drängen. Weitere erwähnenswerte Stellen kommen unter anderem am Ende von „Bringing Krupp Home“, wunderbar tönend in „Art Class Liberation“, wild und zügellos in „Carinval Conniptions“, als langgezogene und tragische Variation in „Seperation Anxiety“ (am Ende mit herzzerreißendem Klavier), mit Geigen-Zupfen am Schluss von „Really Silly Names“, in schöner Orchester-Version in „Saving the Day“ und sehr ausführlich in „The Prank for Good“ in unterschiedlichen Ausführungen vor.

Es gibt auch ein herrlich kitschiges Romantik-Thema (komplett mit französisch anmutendem Akkordeon), vorgestellt in „Tuna Casserole“, von wo es in „Snooping“ überleitet. Am Ende von „Two Blue Eyes“ und nach etwa drei Minuten in „The Prank vor Good“ findet es ebenfalls seinen Weg in den Score.

Das Album hat so viele Highlights, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll! Wem nach Action zumute ist, der sollte zu „A Hero is Born“, „Carnival Conniptions“, „A World Without Laughter“, „Flip-O-Rama!“ und „Saving the Day“ schalten, aber was diesen Score besonders unvergesslich macht, ist der kreative Einsatz der unterschiedlichsten Instrumente und Einflüsse: „Comic Book Opening“ eröffnet mit einer Art versteckten Casio-Keyboard-Version von Williams‘ „Superman“, die letzten 30 Sekunden von „Annihilate the Friendship“ verwandeln sich auf einmal in ein harsches Elektro-Stück, „Power of the Hypno Ring“ bietet ab 0:29 grimmigen Chant-Männerchor, in einigen Titeln wie etwa „Snooping“ und „A World Without Laughter“ hört man ein Theremin, anfangs kurz ein Country-Hoedown-Stück und gleich darauf Dschungel-Trommeln in „A Hero is Born“ sowie in „Anti-Humor Boy“ einen auf Kazoos gespielten Marsch, was mich sofort an „Chicken Run“ erinnerte. Meine absolute Lieblingsstelle kommt jedoch in „Hallelujah, His Name is Poopypants“ bei 1:06 vor, wenn der Chor eine angepasste „Hallelujah“-Version von Georg Friedrich Händels berühmtem „Messiah“ singt, nämlich „His Name is Poopypants, we found his weakness“ und das mit absoluter Inbrunst! Bei dieser Szene bin ich im Kino fast aus dem Sessel gefallen, so heftig musste ich lachen.

Fazit:

Captain Underpants“ ist ein Score, den man gar nicht genug loben kann. Mit Sicherheit werden einige Hörer von der In-your-Face-Comedy in einigen Titeln sowie dem teilweise schon irrierenden Frohsinn der Superhelden-Elemente etwas verwirrt sein, aber bei mir hat das Album genau den richtigen Nerv getroffen. Die Musik besitzt so viel Herz, kindlichen Charme und ist dabei auf eine so wunderbar unschuldige Art ehrlich, dass man gar nicht anders kann, als mitgerissen zu werden. Die Themen sind derart meisterhaft und memorabel komponiert, so passend arrangiert und mit so ansteckender Begeisterung vorgetragen, eingebettet in fantastische Orchestrationen und Zitate, dass es eine Schande ist, dass Theodore Shapiro nicht bereits für eine echte Comic-Verfilmung angeheuert wurde. Meiner Meinung nach wäre er der ideale Mann für „Captain Marvel“, denn „Captain Underpants“ ist ein absoluter Triumph in seiner Karriere und verdient von begeistertem Applaus begleitete 4,5/5 Punkte. Ich bitte euch, liebe Leser, lasst diesen Score nicht untergehen, sondern hört ihn euch an, teilt ihn mit der Welt und bewahrt ihn in euren Herzen wie einen Schatz – denn solch orchestrale Diamanten sind selten geworden heutzutage.

Trackliste mit Längenangabe und Anspieltipps:

  1. Comic Book Opening – 1:56

  2. Treehouse – 1:03

  3. Bromance Origin Story – 1:58

  4. Annihilate the Friendship – 2:13

  5. Tuna Casserole – 0:59

  6. Snooping – 1:47

  7. Power of the Hypno Ring – 1:57

  8. A Hero is Born – 4:14

  9. Mad Genius Inventor – 0:53

  10. Bringing Krupp Home – 2:20

  11. Two Blue Eyes – 2:10

  12. Brain of a Child – 1:54

  13. Hallelujah, His Name is Poopypants – 1:37

  14. The Nobel Prize – 3:02

  15. Anti-Humor Boy – 1:49

  16. Art Class Liberation – 1:57

  17. Carnival Conniptions – 2:17

  18. Separation Anxiety – 1:32

  19. Poopypants Has No Gas – 1:36

  20. A World Without Laughter – 2:53

  21. Flip-O-Rama! – 1:24

  22. Really Silly Names – 1:23

  23. Saving the Day – 7:24

  24. The Prank for Good – 5:39


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