Konzert-Review: Das Beste aus 30 Jahren Hollywood – James Newton Howard

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Der aktuelle Siegeszug der Filmmusik-Konzerte geht weiter, diesmal mit James Newton Howard, welcher auf seiner Deutschland-Tournee natürlich auch in der Hamburger Elbphilharmonie auftrat. Abermals spielte das Czech National Symphony Orchestra, doch diesmal gab es noch eine Besonderheit: Der Komponist dirigerte selbst – und das zum ersten Mal seit über dreissig Jahren (bisher hatte er dies aufgrund einer schlechten Erfahrung vor Beginn seiner Karriere unterlassen). Ich hoffe, das er nun das Selbstvertrauen besitzt, in Zukunft auch bei seinen Scores den Taktstock zu schwingen, denn er machte seine Sache ausgesprochen souverän und sehr professionell. Auf den letzten Drücker hatte ich noch zwei Karten ergattert und diesmal einen meiner Brüder eingeladen (selbst studierter Musiker und Pianist), welcher sich sehr über meine Überraschung freute.

Das Programm war üppig und ausgesprochen vielfältig. Nach den „Main Titles“ von „Fantastic Beasts“ bekam das Publikum eine tolle Auswahl von Howards besten Arbeiten seiner Karriere zu hören, die meisten davon zu sehr flüssigen Suiten verbunden. „Snow White and The Huntsman“, „Dinosaur“ und sogar einige seiner leichtherzigen Komödien wie „Pretty Woman“ und „My Best Friend’s Wedding“ wurden gespielt. Ein toller Zusatz war, dass vorher für jede Stadt eine andere junge Sängerin gecastet wurde, welche zusammen mit Orchester und Chor „The Hanging Tree“ aus „The Hunger Games: Mockingjay“ singen sollte. Die Hamburger Kandidatin machte ihre Sache großartig und sehr selbstbewusst, im zweiten Akt trat außerdem die afrikanische Sängerin Velile Mchunu auf, um den Solopart in der „Blood Diamond“-Suite zu übernehmen. Das Ergebnis war nichts anderes als atemberaubend und im Anschluss sehr unterhaltsam, als Howard zum widerholten Mal fragte, wie man ihren Nachnamen aussprach.

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Es gab zu viele großartige Momente, um sie hier alle aufzuzählen, deshalb beschränke ich mich auf die wichtigsten: „Signs“ klang wundervoll gruselig und rasant, „The Last Airbender“ drückte einen am Schluss in den Sitz, „Wyatt Earp“ ließ mich vor Begeisterung beinahe mitdirigieren, „The Village“ präsentierte das Talent von Violonistin Helena Jirikovská in ganzer Pracht, die „Harvey Dent“-Suite aus „The Dark Knight“ brachte Bedrohlichkeit und Würde in den Saal, „Peter Pan“ lud zum Träumen ein und die fantastische „Fantastic Beasts“-Suite, welche den offiziellen Teil beschloss, trieb mir beinahe die Tränen in die Augen. Als Zugabe wurde außerdem „Maleficent“ gespielt.

Das Orchester hatte offensichtlich großen Spaß, diese tollen Melodien vorzutragen (viele lächelnde Gesichter und expressive Körpersprache) und zwischen den Stücken erzählte Howard viele interessante kleine Geschichten aus seiner Karriere, von seinem Anfang als Keyboarder für Elton John, seinem Arbeits-Prozess, seiner Freundschaft mit Hans Zimmer und der großen Ehre, mit so vielen bekannten Regisseuren arbeiten zu können.

Heute Abend beendet Howard seine Tour in der Frankfurter Jahrhunderthalle und ich würde jedem, der die Gelegenheit dazu hat, empfehlen hinzugehen. James Newton Howards Scores sind so reichhaltig, so erinnerungswürdig und so voller Magie, dass sie auch in der Konzerthalle reine Freude bereiten. Aufgrund der Saal-Architektur war es in Hamburg nicht möglich, so wie bei allen anderen Konzerten Filmszenen auf einer Leinwand mitlaufen zu lassen, aber das war auch gar nicht nötig: Die Musik transportierte das Publikum in ferne Märchenlande, nach Gotham City, in den Süden Afrikas, den Wilden Westen und natürlich auch in das von Tierwesen heimgesuchte New York und jede Performance wurde mit stürmischem Applaus belohnt. Es war ein wahrhaftig besonderer Abend und ich werde das Erlebnis nie vergessen, einige meiner absoluten Lieblings-Scores von einem der talentiertesten Filmkomponisten der Welt live gehört zu haben.

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2 Gedanken zu “Konzert-Review: Das Beste aus 30 Jahren Hollywood – James Newton Howard

  1. Klingt wie ein gefundenes Fressen. Was wurde denn aus „Maleficent“ gespielt – die Suite, die das Album eröffent, ein bestimmtes Stück oder ein neu arrangiertes Medley? Nachdem jetzt langsam die ersten Fotos aus „Fantastic Beasts 2“ auftauchen, bin ich auch schon sehr gespannt, wie Howard da seine Themen wohl weiterentwickelt. Kriegen wir vielleicht ein neues Dumbledore-Thema? Ich hätte auch kein Problem damit, Fawkes‘ Thema aus „Die Kammer des Schreckens“ nochmal zu hören, das war immer einer meiner heimlichen Favoriten und der Phönix drängt sich in einem Film mit diesem Titel, in dem auch noch Dumbledore vorkommt, fast schon auf.

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    1. Danke für den Kommentar! Gespielt wurde im Prinzip eine verkürzte Version von „Maleficent Flies“, wobei die finalen Takte denen von „The Queen of Faerieland“ angepasst wurden. Einfach wundervoll. Und ja, ich kann den Soundtrack zum zweiten Teil ebenfalls kaum erwarten, ich liebe auch das Fawkes-Material (vielleicht taucht er sogar persönlich auf?). Und möglicherweise kristallisiert sich dann ja auch ein echtes Hauptthema heraus, wobei ich auch damit zufrieden wäre, wenn wir Newts Action-Motiv öfter hören, inklusive Freundschafts-Thema. Dann bin ich mehr als glücklich.

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