The Predator – Henry Jackman

The Predator (Original Motion Picture Soundtrack)Musik komponiert & produziert von
Henry Jackman
Original „Predator“-Themen
komponiert von
Alan Silvestri
Dirigiert von
Edward Trybek & Gavin Greenaway
Chor dirigiert von
Jasper Randall
Orchestriert von
Stephen Coleman, Edward Trybek,
Jonathan Beard, Andrew Kinney
& Henri Wilkinson
Ergänzende Musik von
Matthew Margeson, Alex Belcher,
Halli Cauthery & Stephen Hilton

1987 stellte „Predator“ – besonders im Vergleich zu anderen zeitgenössischen Action-Filmen – so etwas wie eine Art Revolution dar: Das erste Drittel kommt im Prinzip in der Tarnung eines typischen Dschungel-Krawumm-Films daher, mit ordentlich Geballere und kernigen Sprüchen, vorgetragen von muskelbepackten Draufgängern, bis sich herausstellt, dass dort etwas weit gefährlicheres im Dschungel lauert… etwas, das Jagd auf die Jäger macht…

Predator“ zementierte (wenn das überhaupt noch möglich war) endgültig Arnold Schwarzeneggers Status als Leinwand-Ikone (und erlaubte ihm sogar passende Momente der Schwäche im Angesicht des außerirdischen Kontrahenten) und nahm nebenbei auf sehr satirische Art die damals gängigen Action-Klischees aufs Korn, zog dem Publikum, welches wahrscheinlich einen weiteren „Commando“ erwartete, sozusagen den Teppich unter den Füßen weg und überraschte dieses mit einem Sci-Fi-Horror-Thriller, in welchem Schwarzenegger nach und nach von Kevin Peter Hall in der Haut des Titel-Charakters die Schau gestohlen wurde. „Predator“ ist wahnsinnig gut gealtert, dank der brillianten Regie von John McTiernan, wirkt größtenteils nicht viel anders als ein moderner Actionfilm unserer Zeit und zog zahllose Nachahmer und 1990 ein offizielles Sequel nach sich, welches bereits ein mögliches Crossover mit einem anderen erfolgreichen Franchise, „Alien“, ankündigte, was 2004 unter der Regie von Paul W. S. Anderson mehr schlecht als recht in die Kinos kam. Immerhin: Die Klagen über das ungenügende PG-13-Rating wurden ernst genommen, aber 2007 fiel „Aliens vs. Predator: Requiem“ noch furchtbarer und überaus geschmacklos aus. „Predators“, produziert von Robert Rodriguez und inszeniert von Nimród Antal, war 2010 wieder fast eine Rückkehr zu alter Form, erweiterte das Universum der cool-gruseligen Alien-Jäger und hatte sichtlich Spaß mit dem Konzept. Nun, ganze acht Jahre später, ist mit „The Predator“ ein neuer Teil der Reihe am Start, diesmal unter der Regie von Shane Black, welcher am Original als Ghost-Writer und Nebendarsteller beteiligt war – man könnte fast sagen, das Franchise hat zur alten Familie zurückgefunden und dem Endprodukt sind die Dreh-Schwierigkeiten und Studio-Einmischungen zwar anzumerken, aber das hindert den Film nicht daran, über weite Strecken dennoch ordentlich, derb und schräg zu unterhalten, mit einem Höchstmaß an verrückter Comedy und Gore.

Musikalisch startete die Reihe grundsolide unter dem Taktstock von Alan Silvestri, der dem Original einen nun ebenfalls ikonischen und unverwechselbaren Score verpasste, welchen er in „Predator 2“ fortsetzte und dessen Themen auch von John Debney für „Predators“ wieder aufgegriffen wurden. Interessanterweise komponierte Brian Tyler für „Aliens vs. Predator: Requiem“, und dieser arbeitete zuletzt sehr erfolgreich mit Shane Black zusammen an „Iron Man Three“. Allerdings kehrte er nicht für diesen (vierten) Film Blacks zurück, stattdessen wurde Henry Jackman auserkoren, diesen neuesten Zuwachs der Reihe zu vertonen. Selbstverständlich ist Jackman ein sehr erfahrener Komponist und mit fast jedem Genre vertraut, ganz besonders Action und Abenteuer, was er beispielsweise mit „Kingsman“, zwei „Captain America“-Sequels oder „X-Men: First Class“ eindrucksvoll bewiesen hat. In die Fußstapfen von Silvestri zu treten ist jedoch eine ziemlich große Herausforderung – welche Jackman sehr geschickt meistert.

Direkt zu Anfang erlebt man eine große Überraschung: Alan Silvestris Original-Themen kommen auch hier zum Einsatz – und das nicht zu knapp! In „Arrival“ lässt Jackman eine Neubearbeitung des klassischen Action-Themas ertönen, unverkennbar, jedoch im Jackman-Stil arrangiert. Sausende Streicher, Percussion und ordentlich Blechbläser lassen die Nostalgie-Herzen gleich höher schlagen. In „Discovery“ hört man nach 50 Sekunden die schnellen Trommeln aus dem Original und am Ende das Hauptthema, bemüht altmodisch mit Elektronik versetzt, komplett mit den Percussion und pompösen Hörnern. „Project Stargazer“ lässt das Hauptthema in voller Pracht zurückkehren, gegen Ende von „Beautiful Specimen“ gibt es eine zurückhaltende Anspielung auf das klassische Action-Thema. „Out of the Cage“ vermischt dieses Motiv mit den Stilistiken Jackmans, die Grundpfeiler der Melodie sind da, treten zwischendurch stärker in der Vordergrund, doch Jackman baut darauf auf und variiert es mit seinen typischen Merkmalen. Die rhythmischen Predator-Trommeln kommen auch in „The Ark Ship“ zum Einsatz, „Onslaught“ präsentiert die klassischen Streicher aggressiv und „The Predator‘s Gift“ entlädt sich mit großem Orchester und sehr überdramatisch.

Ehrlich gesagt war ich etwas überrascht von dem häufigen Verwenden der Original-Themen, doch diese überschatten dennoch nicht Jackmans eigenes Material: Für den authistischen „Rory“, welchem ein Teil der Predator-Ausrüstung in die Hände fällt, komponiert er ein erst behutsames, leicht fremdartiges Klavier-Thema, welches sich nach einer Minute in eine flottere Melodie verwandelt, mit Streichern und leicht klackernden Percussion. „Playing with Fire“ vermischt spannungsgeladene Streicher mit diesem Thema, „Another World“ geht weiter in diese Richtung, in „The Ark Ship“ hören wir das Thema gegen Ende ausschweifender. Außerdem gibt es ein nicht besonders nennenswertes Thema für die Forschungs-Einrichtung, welche die Predator-Vorkommnisse untersucht, zu hören unter anderem in „Beautiful Specimen“ und „Damage Control“.

Doch das absolut beste neue Thema ist dem Helden McKenna und seinem (unfreiwilligen) Team von durchgeknallten Veteranen gewidmet. In „The Loonies“ wird es vorgestellt und hier wird sofort deutlich, was Jackman mit diesem Score im Sinn hatte: Einerseits ist die Melodie ein pompöser Callback zu Soundtracks wie „Civil War“ und „Kingsman“, andererseits nimmt sie aber auch offensichtlich die typischen Action-Merkmale klassischer B-Filme aufs Korn: Elektronischer Unterbau, flott sausende Streicher und geradezu lächerliche Hurra-Americana-Blechbläser. Das Ergebnis funktioniert ausgezeichnet! „On the Loose“ mixt Versatzstücke dieses Themas mit Original Predator-Material, schön laut, deftig und schnell, besonders das Ende des Tracks ist großartig! „Rescue“ präsentiert das Motiv mit einer wilden Streicher-Variation von Rory, „The Good Soldier“ lässt es mit sanften Streichern und Klavier erklingen. Das absolute Highlight ist hierbei „Team McKenna“, hier hören wir das Thema in vollständiger und absolut mitreißender Form: Das volle Orchester spielt das aufrechte Motiv jubilierend und draufgängerisch und besonders die Streicher und Blechbläser sind absolut wundervoll anzuhören. Wer bei diesem Titel keinen Spaß hat, dem ist wahrhaftig nicht mehr zu helfen.

Contact“ bietet Holz- und Blechbläser voller Spannung auf, unterlegt mit sehr gruseligen Sounds, bis schnellere Streicher sich in ein weiteres McKenna-Statement hineinsteigern, was in einen heroischen Abschluss mündet. Auch in „The Sacrifice“ hören wir das Thema, wobei der Schluss diesmal tragisch ist, „Alien Abduction“ alterniert es mit erhabenem Chor und ordentlich Gravitas. „The Last Stand“ lässt McKenna direkt am Anfang schön heldenhaft ertönen, sowohl am Anfang und insbesondere am Ende! „Man vs. Predator“ erschlägt uns fast mir rollender Action und „Remembrance“ schließlich bietet in warmer, friedlicher Americana-Form den Abgesang auf das Team McKenna-Thema, langsam und sanft, mit Holzbläsern, Streichern und einem finalen Blechbläser-Statement.

The Predator EP (Original Motion Picture Soundtrack)

Pünktlich zum Kinostart sah es zuerst so aus, als würden wir diesen Score gar nicht bekommen: Stattdessen wurde ein EP-Album veröffentlicht, welches nur die drei Titel „The Arrival“ (gekürzt), „Rory“ und „The Loonies“ (dort „Dirty Dozen“ genannt) enthielt. Kurz darauf wurde jedoch diese vollständige Aufgabe für den 27. September angekündigt, was sich auch bewahrheitete. Ich persönlich habe keine Ahnung, warum man sich für diese seltsame Vorgehensweise entschied und ich hoffe, dass das nicht zur Gewohnheit wird.

Fazit:

Genau wie der Film selbst ist der Score zu „The Predator“ eine größtenteils sehr vergnügliche Angelegenheit: Henry Jackman huldigt Alan Silvestri und seinen Original-Themen, vergisst dabei jedoch nicht, sich auf seine eigenen Stärken zu besinnen. Das neue Material passt perfekt zum Leinwand-Geschehen und überzeugt durch detaillierte Orchestrierungen und einen selbstbewussten Themen-Umgang. Tatsächlich ähnelt die Musik stilistisch sehr Jackmans „Kong: Skull Island“ von 2017, welcher rückblickend betrachtet fast eine Art Visitenkarte für diesen Auftrag darzustellen scheint. „Team McKenna“ ist definitiv eines der besten und unterhaltsamsten Motive des Jahres und stellt einen schönen Throwback zu den billig-kernigen Action-Filmen der 80er dar. Gerne vergebe ich 3,5/5 Punkte für dieses Album und ich empfehle dem geneigten Leser auf jeden Fall, mal einen Blick zu wagen – ihr werdet mit Sicherheit euren Spaß haben!

Trackliste mit Längenangabe und Anspieltipps:

  1. The Arrival – 2:59

  2. Discovery – 3:06

  3. Rory – 1:32

  4. Project Stargazer – 2:02

  5. Beautiful Specimen – 1:37

  6. Playing with Fire – 1:11

  7. Out of the Cage – 2:41

  8. The Loonies – 0:54

  9. On the Loose – 2:58

  10. Another World – 2:26

  11. Rescue – 1:55

  12. Apex Predator – 3:15

  13. Damage Control – 1:02

  14. The Good Soldier – 2:52

  15. Team McKenna – 1:32

  16. The Ark Ship – 2:18

  17. Onslaught – 1:22

  18. Contact – 2:07

  19. The Hunt – 3:37

  20. The Sacrifice – 1:35

  21. Alien Abduction – 1:28

  22. The Last Stand – 3:27

  23. Man vs. Predator – 2:19

  24. Remembrance – 1:36

  25. The Predator‘s Gift – 3:03

 

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2 Gedanken zu “The Predator – Henry Jackman

  1. Ich bin mit Silvestris ursprünglichem Predator-Soundtrack leider nicht allzu vertraut, aber auch ohne diese Kenntnisse fand ich die Stilmischung aus Silvestri und Jackman ziemlich gelungen – wenn er doch bei „Winter Soldier“ einen ähnlichen Weg beschritten hätte…

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