Jungle Cruise – James Newton Howard

jungle cruise james newton howard 2 altMusik komponiert & Produziert von
James Newton Howard
Dirigiert von
Pete Anthony
Orchestriert von
Pete Anthony, Jeff Atmajian,
Jon Kull & Philip Klein
Synth Programming:
Xander Rodzinski, Tyler Durham
& Freddy Avis
„Nothing Else Matters“
komponiert von
James Hetfield & Lars Ulrich
Neu interpretiert von
Metallica & James Newton Howard

„Jungle Cruise“ ist der neueste Versuch von Disney, eine Themenfahrt zu verfilmen. Seit dem Überraschungserfolg von „Pirates of the Caribbean“ gab es mehrere Anläufe, wie den sehr bescheidenen „Haunted Mansion“ oder den gut gemeinten und spaßigen, aber tonal etwas seltsamen „Tomorrowland“. „Jungle Cruise“ nährt sich vom Feeling her am ehesten Jack Sparrows Piraten-Abenteuern an, bietet reichlich Action, Comedy und gut harmonierende Darsteller auf und packt noch dazu einen Fluch mit rein, inklusive sehr kreativer Creature Designs. Dwayne Johnson, Emily Blunt, Jack Whitehall, Jesse Plemons, Paul Giamatti, Veronica Falcón und Edgar Ramírez sind mit genau der richtigen Spielfreude dabei und überzeugen durch die Bank weg. Obgleich das hohe Niveau der ersten paar „Pirates“-Filme nicht ganz erreicht wird, so macht diese Sause, entstanden unter der Regie von Jaume Collet-Serra, dennoch großen Spaß, und ist trotz einiger erfrischend deftiger und düsterer Momente der passende Sommerfilm für die ganze Familie.

Besonders heiß erwartet, zumindest von einer bestimmten Community, wurde auch der Score: ich habe bereits in meiner Rezension zu „Raya and the Last Dragon“ geschrieben, dass immer, wenn James Newton Howard für Disney komponiert, etwas magisches passiert. Meiner Meinung nach überbietet Howard hier noch einmal den schon sehr gelungenen „Raya“, denn sein Score für „Jungle Cruise“ schwimmt im Fahrwasser großer Adventure-Vorbilder, denen er zeitweise mehr als ebenbürtig ist! Fans seiner Musik zu „Hidalgo“, „Peter Pan“, „Atlantis: The Lost Empire“, „Treasure Planet“ und „King Kong“ werden garantiert auch an diesem Werk ihre Freude haben.

Jungle Cruise Main

Was einige Hörer überraschen dürfte, ist, wie sehr die Musik teilweise klingt, als wäre sie direkt einem „Indiana Jones“-Film entlaufen – und das meine ich absolut positiv! Nach einer ersten Variation in „Stop Her!“ kommt eines der Hauptthemen so richtig in „Jungle Cruise“ während der Titeleinblendung zum Einsatz, eine muntere, verspielte Melodie für volles Orchester und Percussion. Das Material für Lily Houghton und ihren Bruder MacGregor fungiert beinahe als eine Art Ableitung davon. In „Preparing to Set Sail“ kommt es zu einer Flöten-Streicher-Variation und in „La Luna Rota“ erklingt es am Ende sanft. In „Joachim and the Bees“ gibt es zudem eine tönende, marschartige Melodie für sausende Streicher und Blechbläser, mehr als angemessen für die deutschen Verfolger.

Für Dwayne Johnsons Charakter, Frank Wolff, sowie sein eigenes Thema fungiert „A Steamer to Brazil“ als Intro: es ist ein draufgängerischer und selbstbewusster kleiner Marsch für Blechbläser (meistens Hörner), Streicher und Schlagwerk. Nach einer Version für exotische Holzbläser und Trommeln kommt es zu einer rasanteren Action-Variante. Das Thema passt perfekt zur Figur und reiht sich direkt in die Sammlung von Howards großartigen Abenteuer-Melodien ein. Leicht verspielt hören wir das Thema zudem in „I Built a Boat“. „Breaking Into the Archives“ vermischt Mystery, Spannung, Heimlichkeit und Comedy in typischer Howard-Manier, „Nilo“ ist ein etwas komödiantischer und auch irgendwie hinterhältiger Titel und in „Frank Breaks In“ geben sich Heimlichkeit und Comedy abermals die Hand, unterbrochen von urigen Flöten und Trommeln, mit teilweise gezupften Streichern. „Encantado“ bietet sanfte Aufbruchs-Stimmung auf, mit sehr schönem Violinen-Solo, Piano und Glockenspiel, in „Trader Sam“ klingt die Musik mit teilweise exotischen Holzbläsern (oder ist das eine Art Drehorgel?) und Streichern sehr ähnlich wie „Peter Pan“, sanft, gefühlvoll und doch verspielt. Ein besonders schöner Titel ist „Lily Snoops“, wo es teilweise besonders emotional wird. Diese Art von Stimmung bringt Howard stets mit genau der richtigen Portion Herzlichkeit rüber.

Jungle Cruise 1

Ein Großteil des Scores ist vor allem Action, und hier muss man auch nicht lange warten, bis Howard in die Vollen geht: schon in „Stop Her!“ haut das Schlagwerk ordentlich rein, „Market Chase“ ist sehr verspielt und verwendet auch das Haupt- und Franks Thema, sogar ein Klavier mischt sich zwischendurch zum detaillierten Orchester. Auch dieser Track könnte exakt so ein Indiana Jones-Abenteuer untermalen und niemandem würde es auffallen. „Sub Attack“ ist etwas deftiger, auch hier mit Hauptthemen-Versatzstücken, sehr gut eingesetzten Blechbläsern und Percussion und einem tollen Frank-Statement am Ende. „The Rapids“ ist besonders kräftig, mit teilweise krachendem Schlagwerk und vollem Orchester, „The Tree Fight“ setzt diesem jedoch noch einen drauf! Hier dröhnt und tost das Orchester nahezu, wobei besonders bei den Percussion im wahrsten Sinne ordentlich auf die Pauke gehauen wird. In solchen Momenten droht die Musik teilweise, James Newton Howards Kontrolle zu entgleiten, aber er fängt sich immer noch gerade rechtzeitig, bevor alles in Chaos abdriftet. Hier wird auch der Chor prominent eingesetzt und unterstützt Orchester und Schlagwerk tatkräftig.

Das Finale beginnt mit „Underwater Puzzle“, wo es sehr abenteuerlich und sogar gefährlich wird, mit tiefen Streicher-Ostinati und Blechbläsern. In der Mitte tönt es entschlossen mit vollem Orchester, Percussion und Chor, bevor es wieder gefühlvoller, beinahe traurig wird. In „Petal Negotiations“ macht sich zum ersten Mal ein leichter Synth-Anteil bemerkbar, mit hallenden Klopfgeräuschen, welche die aufkommende Spannung passend unterstützen. Schließlich jedoch baut sich die Musik zur großen Enthüllung des Reiseziels auf und klingt wie eine logische Fortsetzung des Materials aus den „Fantastic Beasts“-Filmen, Orchester und Chor sind hier so ausschweifend und wunderschön, dass es eine wahre Freude ist. „Conquistadors Arrive“ ist der wahrscheinlich beste Action-Track des Albums. Hier wird das bedrohliche Material der übernatürlichen Schurken mit dem Haupt- und Franks Thema vermischt. Die Musik ist hier so rasant und deftig, dass sie auch perfekt in „Atlantis“ oder „King Kong“ gepasst hätte, mit einem kurzen Mysterium-Zwischenspiel.

Jungle Cruise

Auch in „One Last Cruise“ hämmern Percussion zu Chor und Orchester ordentlich drauflos, ebenfalls mit interessanter Synthesizer-Unterstützung, bis sich in „I Want You to Rest Now“ die Hauptthemen entsprechend gefühlvoll und traurig vermischen, mit Hörnern, Holzbläsern, Streichern und Gesang. Wir hören sogar eine hübsche kleine Holzbläser-Variation von Franks Thema, bevor dieses abermals auf Hörnern erklingt und am Ende noch einmal besonders gelungen arrangiert wird. „Absolutely Exhausting“ schließlich ist ein angemessen verspielter Abschied von Franks Thema, welches von einer sehr rasanten Version des Hauptthemas abgelöst wird. Die „Jungle Cruise Suite“, welche während der End Credits erklingt und das Album eröffnet, fasst das wichtigste Material zusammen, die Hauptthemen, Action-Momente sowie mehrere herzliche und magische Momente. Die Suite hätte sich eventuell besser am Ende des Albums gemacht, aber als Start ist sie auch sehr gut.

Darüber hinaus darf man eine ganz besondere Komponente der Musik nicht unerwähnt lassen: bereits im Vorfeld gab es Berichte darüber, dass die Band „Metallica“ am Soundtrack mitwirken würde. Deren Mitglieder, ganz besonders Lars Ulrich, sind mit einem der Produzenten befreundet und beide Parteien wollten schon länger an einem Filmprojekt zusammenarbeiten. Warum die Wahl ausgerechnet auf „Jungle Cruise“ fiel, ist nicht ganz klar, aber das Ergebnis ist sowohl interessant als auch sehr wirkungsvoll: ein Neu-Arrangement des Songs „Nothing Else Matters“ wird quasi als Leitmotiv für die Backstory der verfluchten spanischen Konquistadoren verwendet, welche als Antagonisten dienen, und von Metallica und Howard selbst entsprechend neu interpretiert. Eine dieser Versionen („Pt. 1“) eröffnet direkt den Film, und diese ist sehr schön und gefühlvoll, mit tatsächlich nach Brasilien klingenden Gitarren, Orchester und Chor. Die weitaus beeindruckendere Variante ist jedoch „Pt. 2“, abermals mit sanftem Gitarren-, Streicher-, Schlagzeug- und sogar Chor-Anfang, sogar ein Klavier wird eingesetzt! Ab 2:09 wird es jedoch lauter und deftiger, wobei auch E-Gitarre und kräftigeres Schlagzeug, Blechbläser und Chor mitmischen. Die moderneren Arrangements sind auch im Film selbst zwar ein klein wenig irritierend, aber es überrascht dennoch, wie unfassbar gut die Melodie im Kontext und in dieser orchestralen Version funktioniert! Am erstaunlichsten ist, wie gut die Melodie tatsächlich zu James Newton Howards Stil passt: bei Unkenntnis des Songs denkt man sicher, er allein sei für das Thema verantwortlich. So oder so ist dieser Track ein definitives Highlight von Film und Album. Um es mit den Worten eines Freundes zu sagen, welcher nicht aufhören kann, beide Titel seit Erscheinen immer wieder zu hören: „This has absolutely no right to be THIS good!“

Fazit:

„Jungle Cruise“ ist genau der Score geworden, den ich mir von jemandem wie James Newton Howard erhofft hatte: ein verwegener, fröhlicher, detailliert orchestrierter und angemessen deftiger Spaß. Genau wie „Raya“ reicht zwar auch diese Musik nicht an seine Disney-Meisterwerke aus früheren Tagen heran, aber Soundtracks wie „Atlantis“ und „Treasure Planet“ sind auch wirklich schwer zu überbieten. Nichtsdestoweniger ist dies einer meiner absoluten Favoriten des Jahres und wird es mit Sicherheit in meine Top 10 schaffen. Mit 4/5 Punkten ist dieses Album nicht nur für langjährige Fans des Komponisten einen Blick wert und der Metallica-Anteil ist ein vorzüglicher Bonus. Ein Film wie „Jungle Cruise“ lässt James Newton Howard stets aufblühen – also zögert nicht lange und lasst euch auf diese vergnügliche Reise ein!

Trackliste mit Längenangabe und Anspieltipps:

  1. Jungle Cruise Suite – 8:20
  2. Nothing Else Matters (feat. Metallica) [Jungle Cruise Version, Pt. 1]
  3. Breaking Into the Archives – 4:02
  4. Stop Her! – 2:33
  5. A Steamer to Brazil – 1:57
  6. Jungle Cruise – 1:54
  7. Nilo – 1:12
  8. Frank Breaks In – 1:19
  9. Preparing to Set Sail – 2:53
  10. Market Chase – 2:45
  11. Sub Attack – 2:14
  12. Encantado – 1:18
  13. The Rapids – 3:42
  14. Lily Snoops – 2:29
  15. Trader Sam – 1:25
  16. The Tree Fight – 5:57
  17. Lily Finds Frank – 1:17
  18. Joachim and the Bees – 1:11
  19. Nothing Else Matters (feat. Metallica) [Jungle Cruise Version, Pt. 2]
  20. I Built a Boat – 2:00
  21. La Luna Rota – 1:24
  22. Underwater Puzzle – 4:36
  23. Petal Negotiations – 3:44
  24. Conquistadors Arrive – 2:38
  25. One Last Cruise – 1:19
  26. I Want You to Rest Now – 3:47
  27. Absolutely Exhausting – 1:00

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