Eternals – Ramin Djawadi

Eternals (Original Motion Picture Soundtrack)Musik komponiert & Produziert von
Ramin Djawadi
Dirigiert von
Gavin Greenaway
Orchestriert von
Stephen Coleman, Andrew Kinney,
Nicholas Cazares & Michael J. Lloyd
Ergänzende Arrangements von
Brandon Campbell

Irgendwann musste es wohl so kommen: „Eternals“ ist der erste MCU-Film, der für einen Großteil der Kritiker nicht wirklich zu funktionieren scheint. Bis zu einem gewissen Grad kann ich dies verstehen: es ist ein Film, der ein wenig von der etablierten „Formel“ abweicht, 10 übermächtige Superhelden gleich am Anfang ohne wirkliches Intro vorstellt und dann zwischen den Jahrtausenden hin- und herspringt, während große Fragen um Verantwortung, Selbstbestimmung und Schuld angerissen werden – all das, während das Team gegen raubtierartige Monster kämpft. Ich meinerseits wurde von „Eternals“ sehr gut unterhalten, ich mochte den multikulturellen Aspekt und die Mitglieder des Teams allgemein, mir gefiel der gewisse spirituelle Anteil des Films und fand Look und Effekte sowohl beeindruckend als auch hübsch anzusehen. Oscar-Preisträgerin Chloé Zhao inszeniert mit sicherer Hand und man merkt, dass sie hiermit etwas Besonderes abliefern wollte. Somit ist der Film zwar nicht ohne Mankos hier und da, aber wenn man es vermag, sich auf ihn einzulassen, wartet trotz der langen Laufzeit ein kurzweiliges Abenteuer auf die geneigten Zuschauer*innen.

Die Wahl des Komponisten war, zumindest für mich, etwas überraschend, denn diese fiel auf Ramin Djawadi. 2008, noch relativ zu Beginn seiner Karriere, komponierte er den Score für den allerersten MCU-Film „Iron Man“ und damals war noch nicht klar, wohin es mit ihm gehen würde. Inzwischen ist er ein sehr gefragter Name – nach acht Staffeln „Game of Thrones“, drei Staffeln „Westworld“ und solchen großen Blockbustern wie „Dracula Untold“, „Pacific Rim“ und „Warcraft“ kein Wunder. 2017 schaffte es seine Musik zu „The Great Wall“ sogar auf Platz 1 meiner Lieblings-Scores des Jahres und ich bin immer sehr gespannt, wenn er für ein großes Projekt wie dieses angeheuert wird. Tatsächlich bekommt der Score von der Filmmusik-Community größtenteils sehr positive Resonanzen, deshalb schmerzt es mich etwas, in diesem Fall ein klein wenig gegen den Strom schwimmen zu müssen: die Musik von „Eternals“ funktioniert ganz wunderbar im Film selbst, aber als reines Album lässt sie leider einige Wünsche offen.

Eternals

Das Hauptthema wird nicht nur im ersten Track des Albums, „Eternals Theme“, sondern auch sehr früh im Film vorgestellt, wo es den ersten Kampf der Heldentruppe gegen die gefährlichen Deviants untermalt. Das Thema ist größtenteils orchestral, mit elektronischem Anteil. Den Anfang machen hallende, wabernde Klänge sowie eine leicht spacig klingende Orgel, wozu sich auch Streicher, Percussion und Blechbläser mischen. Die Melodie selbst klingt selbstverständlich heroisch, hoffnungsvoll, aber auch auf gewisse Weise naiv. Ich mag das Thema und die Arrangements selbst, aber der Sound ist nicht ganz so wuchtig, wie ich es mir wünschen würde, klingt hier und da wie eine noch nicht vollständige Sampler-Version. Ich weiß nicht, ob dies an der Aufnahme liegt oder ob es tatsächlich eine Mischung aus echten und synthetischen Instrumenten ist, aber ich kann mir nicht helfen: es klingt ein klein wenig unfertig.

Das Thema wird in mehreren anderen Titeln variiert: sehr ruhig in „Somewhere in Time“, deftiger mit E-Gitarre in „This Is Your Fight Now“, langgezogen und sanft mit Klavier-Anteil in „Eternal Loss“ und abermals auf Klavier am Ende von „A Wish“, sowie mit einer kleinen Anspielung am Schluss von „Earth Is Just One Planet“. Im Film selbst hört man es viel öfter in der vollständigen Version, aber auf dem Album kommt es erstaunlich selten vor, was mich ebenfalls überrascht. Ebenso war ich etwas perplex davon, dass es seltsam wenig Action-Material gibt: „Not Worth Saving“ ist bei aller Düsternis und Bedrohlichkeit ein klein wenig deftiger, „This Is Your Fight Now“ vermischt das elektronische Wabern mit Orchester, E-Gitarre und einem synthetisch verfremdeten Schrei, welcher den Deviants gewidmet ist und „I Have Been Waiting for This“ tut im Prinzip dasselbe, wobei der Mittelteil jedoch seltsam unentschlossen auf der Stelle zu treten scheint. Im Film selbst ist mir eine schön flotte Stelle beim Kampf in London aufgefallen, welche allerdings auf dem Album fehlt, was mich ungemein enttäuscht hat.

Eternals 2

Durchaus interessant klingen die Parts, wo es etwas sphärischer wird: „It Is Time“ vermischt die wabernden Klänge, welche sich teilweise wie verfremdete Stimmen anhören, mit „Interstellar“-artiger Orgel und Blechbläsern. Im Gegensatz zu Zimmers Musik klingt dies hier allerdings weniger oppressiv, sondern hoffnungsvoller und sogar neugierig. „Somewhere in Time“ stellt einen Sound vor, der sich anhört wie von antiken Krummhörnern erzeugt, wozu sich Streicher und entweder Zither oder Gitarren mischen. In „The Domo“ variieren elektronisch manipuliertes Wabern, Orgel und Gesang das Hauptthema auf sehr interessante Weise, „Celestials“ klingt mit Gesang, Orgel, Blechbläsern und Streichern sehr erhaben und andersweltlich. Die Macht der Celestials und das große Opfer, welches sie einfordern, werden musikalisch sehr gelungen bebildert.

Ein definitives Highlight ist jedoch ein weiteres Thema, welches vermutlich der von Gemma Chan gespielten Sersi und ihrer persönlichen Reise gewidmet ist. Vorgestellt wird es in „Mission“ und fängt dort als sanfte, traurige Klavier-Melodie an, wozu sich kurz darauf wortloser Solo-Gesang mischt. Bald gesellt sich eine zweite Stimme dazu und der Ausklang des Tracks ist mit Streichern und Blechbläsern nobel, hochtrabend und prachtvoll, wobei die Melodie ein wenig an „Now We Are Free“ aus „Gladiator“ erinnert. „Joie De Vivre“ arrangiert das Thema mit fernöstlicher Instrumentierung, inklusive Sitar, verspielten Percussion und exotischen Flöten, was unglaublich schön klingt, „Across the Oceans of Time“ ist jedoch ganz besonders toll, wo Chor und Solo-Stimme die Melodie in einer fremden Sprache singen, was überraschend sakral und andächtig klingt. „Isn’t It Beautiful“ wandelt das Thema etwas ab, wobei der Ausklang besonders triumphal ist und die Variation in „A Wish“ ist mit Streichern, Klavier und Gesang sehr bewegend.

Eternals 3

Andere Tracks wie „Life“ und „Remember” lassen die antik klingenden Hörner zurückkehren, wohingegen „Audience with Arishem“, Emergence Sea“, „Not Worth Saving“ und „Earth Is Just One Planet“ sehr viel bedrohlicher klingen. Ich wünschte wirklich, ich könnte mehr sagen, aber das ist es eigentlich schon: gewisse Stimmungen kommen wirkungsvoll rüber, andere Stellen jedoch mäandern seltsam vage vor sich hin, es fehlt der Musik öfter an Nachdruck, Power oder einer eindeutigen Richtung. „Nach Mera Hero“ schließlich ist der Song, welcher während der Bollywood-Nummer von Kingo, gespielt von Kumail Nanjiani, läuft (keine Sorge, es gibt einen schlüssigen Kontext) und ist entsprechend unterhaltsam, wobei man besonders auf den englischen Text achten sollte. „You have risen, Mighty One“… indeed…

Fazit:

Ich bin von mir selbst überrascht, aber ich kann nicht in den allgemeinen Kanon einstimmen, dass dies Ramin Djawadis bisher bester Score sei. Lasst mich dies umformulieren: die dramatischen und bewegenden Stellen haben eine grandiose Wirkung innerhalb des Films, die Hauptthemen sind gut und wann immer Chor beteiligt ist, klingt die Musik am besten! Aber meiner Meinung nach fehlt dem Score etwas. Wuchtigere Orchestrierungen und eindeutigere Action hätten der Musik gutgetan, das, was hier zu hören ist, reicht jedenfalls nicht an Karriere-Highlights wie „The Great Wall“ oder bestimmte Stellen aus „Game of Thrones“ heran. Über die Jahre ist Ramin Djawadi an seinen Aufträgen deutlich gewachsen. Aber aus den bereits genannten Gründen wollte hier der Funke einfach nicht endgültig überspringen. 3,5/5 Punkte gibt es somit von mir: ein solider Score, welcher innerhalb des Films jedoch sehr viel besser funktioniert als auf dem Album allein.

PS: Ich finde außerdem, dass beim Cover geschlampt wurde. Ich meine, dass man einfach nur das Poster anders formatiert, schön und gut, aber kreativ ist das nicht. Noch dazu wirkt der Name des Komponisten wie in letzter Sekunde lustlos draufgeklatscht, in einer völlig unpassenden Schriftart. Da gefällt mir dieses von Scott Weber kreierte Design wesentlich besser:

Eternals New Cover

Trackliste mit Längenangabe und Anspieltipps:

  1. Eternals Theme – 3:47
  2. It Is Time – 2:17
  3. Mission – 4:30
  4. Somewhere in Time – 1:39
  5. The Domo – 1:57
  6. Joie De Vivre – 2:12
  7. Celestials – 6:46
  8. Life – 5:22
  9. Not Worth Saving – 2:49
  10. Remember – 5:32
  11. Across the Oceans of Time – 3:50
  12. This Is Your Fight Now – 2:46
  13. Audience with Arishem – 5:33
  14. Isn’t It Beautiful – 2:38
  15. I Have Been Waiting for This – 3:23
  16. Emergence Sea – 2:22
  17. Eternal Loss – 3:24
  18. A Wish – 2:41
  19. Earth Is Just One Planet – 1:39
  20. Nach Mera Hero (Celina Sharma) – 3:09

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