Arcane: League of Legends – Alexander Temple & Alex Seaver

Arcane League of Legends 1 ScoreMusik komponiert von
Alexander Temple & Alex Seaver
Dirigiert von
Bernhard Wünsch, Daniel Behrens
& Anthony Parnther
Orchestriert von
Michael Barry & Max Knoth
Eingespielt von
Scoring Berlin
Ergänzende Musik von
Andrew Kierszenbaum
Solisten:
Kelci Hahn & Isabella Abiera (Gesang),
Ray Chen (Violine), Cameron Stone (Cello),
Gina Luciani (Flöte)

Es ist immer schön, wenn quasi aus dem Nichts etwas erscheint, was man ohne zu zögern zum Besten zählen kann, was man in diesem Jahr gesehen hat: „Arcane: League of Legends“ ist eine Netflix-Quasi-Prequel-Serie zur beliebten Spiele-Reihe von Riot Games. In 3 Akten erschienen, jeder bestehend aus 3 Folgen, erzählt die Serie die Geschichte mehrere Charaktere in der aufstrebenden Stadt Piltover. Dabei ist eine Vorkenntnis des Franchises überhaupt nicht notwendig, die Serie schafft es, komplett für sich allein zu stehen, hält für langjährige Fans aber natürlich allerhand Eastereggs parat. Die Fantasy-Steampunk-Welt wird nicht groß vorgestellt, sondern erschließt sich den Zuschauer*innen im Verlauf der Handlung auf sehr natürliche Weise. Die definitiven Hauptfiguren sind die Schwestern Vi und Powder und in ihren Konflikten liegt auch der emotionale Kern. Aber auch auf den Nebenschauplätzen tummeln sich sehr interessante Gestalten, wobei simple Schwarz-Weiß-Zeichnung geschickt umschifft wird. Die Serie schafft es, dass wir uns sehr schnell für diese Charaktere interessieren und das Ende lässt auf eine baldige Fortsetzung hoffen. Die Sprecher*innen leisten dabei großartige Arbeit und visuell ist „Arcane“ schlicht unglaublich, mit einem sehr distinktiven und detaillierten Animationsstil, welcher einen sofort in seinen Bann zieht.

Als Komponisten fungierten Alexander Temple und Alex Seaver, welche beide bereits Erfahrung mit dem Material haben: Temple ist schon seit Jahren Lead Composer bei Riot Games, Seaver, besser bekannt als DJ Mako, war auch schon an mindestens einem der „League of Legends“-Cinematics beteiligt. Es ist nicht mit absoluter Sicherheit festzustellen, wie genau die Kollaboration aussah, bzw. wer was komponiert hat. Seaver war jedenfalls auch in einige der Songs involviert, die in der Serie zu hören sind, bestritt aber auch mit Temple gemeinsam viele der orchestralen Stücke. Zudem wurden einige Titel im dritten Akt von Andrew Kierszenbaum ergänzt. Letztendlich ist es aber nicht wichtig, wer genau für was verantwortlich ist, denn was zählt, ist das Ergebnis, und dieses ist abwechslungsreich, kreativ, emotional und teilweise sehr, sehr laut.

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Eingespielt wurde die Musik von Scoring Berlin, welche dieses Jahr auch schon für „The Falcon and the Winter Soldier“ verantwortlich waren. Unter dem Taktstock von Bernhard Wünsch, Daniel Behrens und Anthony Parnther deckt das Orchester eine große Bandbreite an Emotionen ab, unterstützt von einigen Solisten und verschiedenen elektronischen Elementen. Eines der Hauptthemen ist der Stadt Piltover gewidmet, dem Handlungsort der Serie, welches in „The City of Progress“ vorgestellt und mit Streicher-Ostinati, Blechbläsern und Chor entsprechend aufstrebend, fortschrittlich und glanzvoll charakterisiert wird. Dieses Thema, welches vor allem aus dem Ostinato besteht, kommt noch in vielen anderen Tracks vor, zum Beispiel im Ausklang von „The Flashback“, mit Dulcimer und Klavier variiert in „The Grand Council Chamber“, beinahe schon versteckt in „Our Hextech Dream“ und „Give Us a Chance“ und ganz kurz in „The Era of Hextech“. Zu Beginn von Akt 2, in „A Bicentennial“, ertönt das Thema sehr viel kräftiger und entschlossener mit größerem Chor-Anteil, wobei in der aufstrebenden Stimmung auch ein gewisser Hauch von Gefahr und Leichtsinn mitklingt. Das Thema wird in „The Next Chapter of Hextech“ variiert und ertönt in einer nahezu epischen Version in „Our Future Is Bright“. Im dritten Akt kommt es hingegen nur ein einziges Mal vor, im tragisch-nachdenklichen Titel „A Diplomatic Solution“.

Ein weiteres Thema, in welches die Piltover-Melodie des Öfteren eingearbeitet wird, erklingt immer dann, wenn das Arcane im Spiel ist, die Magie dieser Welt, welche einige Charaktere künstlich erschaffen und manipulieren wollen. „The Flashback“ bringt dieses musikalische Element zum ersten Mal zum Tragen, mit aufsteigenden Streichern, Holz- und Blechbläsern in Kombination mit ätherischem Gesang. In „It’s Viktor“ kehren einige dieser Elemente zurück, welche leicht zögerlich wieder in „Our Hextech Dream“ übernehmen und in „The Era of Hextech“ mit wunderschön träumerischen Streichern, Glockenspiel und luftigen Holzbläsern zu einem frühen Höhepunkt finden. „The Next Chapter of Hextech“ ist ganz besonders gelungen, die Musik klingt hier sanft, steigt aber immer weiter auf, mit Streichern, Blechbläsern und einer Variation des Piltover-Themas. Der Mittelteil mit Klavier-Unterstützung und Solo-Gesang ist der beste Teil, wirklich bewegend und schön. In „They Think, They Adapt“ hören wir diese magischen Klänge ein weiteres Mal, „I’m Calling It the Hexcore“ wird von wortlosem Gesang dominiert, zu welcher sich auch eine leicht verfremdete Stimme mischt, welche wie ein Seufzen klingt. „Viktor and Hexcore“ ist mit Streichern, Blechbläsern und ominösem Chor tönend und bedrohlich, „Something I’ve Been Working On“ klingt mit vollem Orchester, der seufzenden Männerstimme und Chor ausgesprochen herzzerreißend und dramatisch.

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Ein Thema, welches den Schwestern Vi und Powder gewidmet ist, eröffnet Album und Serie in „The Bridge“, wo Ray Chens leicht raue, emotionale Violine den Ton angibt: abgeleitet von Powders kindlich-unschuldigem Gesang, welcher leider nicht auf dem Album erhalten ist, stellt die traurige Streicher-Melodie uns die Welt und den Konflikt von Piltover vor. Eine weitere Melodie für die Schwestern hören wir in „You’re Stronger Than You Think“, getragen von Streichern und Kelci Hahns erst sanftem, dann kräftigerem Solo-Gesang, zu welchem sich noch eine zweite Stimme mischt, während die Musik mit Streichern und Trommeln schneller und entschlossener wird. Diese Melodie kehrt in „I’m Right Here“ zurück und das Verlust-Thema aus „The Bridge“ hören wir in „Old Friend“ wieder.

Es gibt andere Titel, die herausstechen: „Some Mysteries Are Better Left Unsolved“ klingt mit Streichern, Holzbläsern und Glockenspiel neugierig, leicht spielerisch, aber auch in gewissem Sinne gesittet – perfekt für die Figur des Professor Heimerdinger. „A Story of Opposites“ wird ganz von Kelci Hahns wunderschönem, klagenden Gesang in Kombination mit sanften, Thomas Newman-artigen Streichern getragen, „Deal’s Changed“ erinnert mit entschlossenen Streicher-Ostinati und tragischem Gesang an „Obliviate“ aus Alexandre Desplats „Deathly Hallows Part 1“, in „Welcome to the Lanes“ mischen sich Düsternis und Bedauern auf sehr stimmungsvolle Weise, wobei die schräg gezupften Streicher und Schlittenglöckchen einen besonders verspielten Touch hinzufügen und bei „The Concerto“ handelt es sich um ein teilweise diegetisches Stück, in welchem Ray Chen mal wieder so richtig zu zeigen vermag, was er kann: ein klassisch angehauchter Titel für volles Orchester, aber dominiert von Chens ausschweifender Solo-Violine, wobei die Musik immer schneller wird. In „The Toy Boat“ hören wir traurige Geige mit weiteren Streichern und Klavier, „You’ve Got a Good Heart“ bietet Atem-artigen Gesang, „All For Nothing“ lässt Streicher, Trommeln, Blechbläser und Gesang ein klein wenig entschlossener erklingen, wohingegen „Mother and Daughter“ etwas traditionelles und stolzes anhaftet. „Oil and Water“ klingt schön sanft und traurig und „Fallout“ erinnert mit Chens Violine fast schon an James Newton Howards „The Village“. Dies sind allerdings nur einige Beispiele, der Score hat noch weitere Tracks dieser Art zu bieten, in welchen sich mal sanfte, mal epischere oder gar bedrohliche Klänge abwechseln.

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Die Action wird zumeist von Streichern dominiert: den Anfang machen hier „Intruders“ und „The Getaway“, wobei letzteres das erste Highlight dieser Art ist und eilig sausende Streicher, Blechbläser und deftige Percussion kombiniert. „Just a Taste“ setzt diese rasante Stimmung nach einem Part für Solo-Violine über sphärisch-träumerischen Klängen fort, „Escape From the Arcade“ klingt genauso wild und gegen Ende sogar bedrohlich-stampfend, „Open Up!“ ist kurz, aber mit klackernd-hämmernden Percussion und schnellen Streichern sehr nachdrücklich, „Fire“ mischt deftige Percussion und Streicher mit Hörnern, in „Field Shooting“ treiben Streicher und Percussion den Puls in die Höhe und „A Delicate Art“ erklingt mit Blechbläser-Unterstützung dröhnend-krachend aus den Boxen. Die Streicher und Trommeln in „We Got a Deal, Pretty Boy?“ klingen schroff, entschlossen und eilig, „The Raid“ ist mit fast geisterhaftem, klagenden Chor extrem aggressiv und laut und „She Still Needs You“ erinnert überraschenderweise an „The Witcher“.

Und dann gibt es noch die überraschend modern und teilweise sogar vergleichsweise experimentell arrangierten Tracks: „You Can’t Escape the Past“ lässt E-Gitarre zu Synthesizern und verfremdeten Stimmen schrammeln, „I Can Help Them“ klingt mit schiefen, schrillen Streichern so, als würde man in jemandes persönlichen Wahnsinn eintauchen und „Rise to the Surface“ lässt die dröhnenden E-Gitarren mit nervösen Synthies, Streichern und klickenden Percussion zurückkehren, was stilistisch sehr einigen Kompositionen von Harry Gregson-Williams ähnelt. „The Firelights“ erinnert an Werke von Hans Zimmer, „She’s Here“ lässt uns erneut in schrillen Wahnsinn eintauchen, wozu auch Ray Chens kratzend-flotte Violine ihren Teil beiträgt, „The Assailant“ und „Too Risky“ bringen die deftigen Synthie-Rock-Klänge zurück und „Showdown“ klingt mit hämmernder Elektronik, E-Gitarre, Streichern, Percussion und Chant-Chor wieder sehr wuchtig. „Someone Just Volunteered“, „There’s A Monster Inside All of Us” und die zweite Hälfte von “Stubborn to the End” bieten dafür düster-wabernde Elektronik und teilweise sogar nahezu schreiende Synthesizer auf, was für einige ziemlich effektive Horror-Momente herhält.

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Zum Abschluss noch ein paar Worte zu einigen der Songs, welche separat erhältlich sind und hier und da in die Serie eingebaut werden: der Vorspann-Song „Enemy“ von Imagine Dragons ist ganz okay und kommt sogar einmal diegetisch vor, Bea Millers „Playground“, welcher uns den Stadteil der Gassen vorstellt, ist sehr stimmungsvoll, „When Everything Went Wrong“ von Fantastic Negrito“ macht extrem viel Spaß, aber am besten ist definitiv „What Could Have Been“, welcher das Staffel-Finale untermalt und Ray Chens Violine mit Klavier und Stings Gesang sehr wirkungsvoll und bewegend verbindet.

Fazit:

Ich hätte nie damit gerechnet, dass eine Serie wie „Arcane: League of Legends“ mich dermaßen begeistern würde, aber sie hat tatsächlich jeden Nerv bei mir getroffen. Dasselbe gilt für die Musik: Alexander Temple und Alex Seaver haben mit ihrem talentierten Team einen Score geschaffen, welcher jederzeit perfekt zum Geschehen passt, einen wilden und interessanten Stilmix, der durch gut durchdachte Themenarbeit, furiose Action und sehr emotionale Momente überzeugt. Mit 4/5 Punkten wird es dieser Score garantiert auf meine Besten-Liste des Jahres schaffen und ich kann die zweite Staffel kaum erwarten – wenn das hier dargebotene Niveau mindestens gehalten und womöglich sogar noch überboten wird, so kommt da ohne Zweifel etwas Großes auf uns zu!

Trackliste mit Längenangabe und Anspieltipps:

Akt 1:

  1. The Bridge (feat. Ray Chen) – 1:43
  2. The City of Progress – 1:20
  3. Intruders – 0:39
  4. The Getaway – 1:21
  5. Just a Taste – 2:07
  6. You’re Stronger Than You Think (feat. Kelci Hahn) – 1:30
  7. Someone Just Volunteered – 3:01
  8. The Flashback – 2:19
  9. Some Mysteries Are Better Left Unsolved – 1:48
  10. Escape From the Arcade – 1:06
  11. The Grand Council Chamber – 1:08
  12. The Trial – 1:26
  13. There’s a Monster Inside All of Us – 1:44
  14. You Can’t Escape the Past – 3:37
  15. It’s Viktor – 1:12
  16. A Story of Opposites (feat. Kelci Hahn) – 1:48
  17. Stubborn to the End – 2:46
  18. Deal’s Changed – 1:15
  19. Our Hextech Dream – 1:12
  20. Give Us a Chance – 1:07
  21. I Can Help Them – 0:57
  22. A Short Reunion – 2:04
  23. Rise to the Surface – 1:45
  24. Open Up! – 0:48
  25. The Era of Hextech – 1:06
  26. You Have to Work! – 1:21
  27. The Explosion – 1:23
  28. Revenge – 3:12
  29. You’re a Jinx – 4:25

Akt 2:

  1. A Bicentennial – 2:36
  2. The Firelights – 1:38
  3. She’s Here (feat. Ray Chen) – 2:11
  4. The Next Chapter of Hextech – 1:45
  5. Our Future Is Bright – 0:51
  6. Fire – 0:55
  7. Stillwater Prison – 0:37
  8. The Assailant – 0:57
  9. Field Shooting – 0:56
  10. Order for Release – 2:41
  11. Headache – 0:40
  12. Too Risky – 1:04
  13. Welcome to the Lanes – 0:57
  14. They Think, They Adapt – 0:51
  15. Rematch – 0:37
  16. The Concerto (feat. Ray Chen) – 2:26
  17. Romance – 2:51
  18. Traitor – 3:52
  19. She’s Back – 1:10
  20. The Toy Boat – 1:24
  21. You’ve Got a Good Heart – 2:08
  22. I’m Calling It the Hexcore – 1:40
  23. The Apothecary – 1:51
  24. A Well-Deserved Retirement – 2:27
  25. How Could I Forget? – 1:38
  26. I Understand Now – 1:03
  27. I’m Right Here (feat. Kelci Hahn) – 1:18
  28. Showdown – 3:45

Akt 3:

  1. I Missed You – 1:34
  2. A Delicate Art – 0:45
  3. We’ll Get Through This – 0:49
  4. The Price of Our Freedom (feat. Kelci Hahn) – 2:14
  5. Don’t Forget Again – 1:58
  6. Everyone Else Betrays Us – 1:32
  7. This City Needs Healing – 2:02
  8. We Call Them Firelights – 1:25
  9. Viktor and the Hexcore – 1:15
  10. Ambush – 3:24
  11. Boy Savior – 2:07
  12. Old Friend (feat. Kelci Hahn) – 1:03
  13. A Wolf Has No Mercy – 2:44
  14. All For Nothing – 1:29
  15. Mother and Daughter – 1:11
  16. It’s Just Heimerdinger Now – 2:34
  17. A Diplomatic Solution – 2:22
  18. Oil and Water – 1:08
  19. First Steps – 0:51
  20. Something I’ve Been Working On – 1:58
  21. We Got a Deal, Pretty Boy? – 1:59
  22. The Raid – 1:17
  23. Fallout (feat. Ray Chen) – 2:21
  24. You Won’t Make It Alone – 2:15
  25. Everyone’s Gotta Do Their Part – 1:34
  26. Promise Me – 1:46
  27. Oasis – 0:58
  28. Is There Anything So Endearing as a Daughter? – 0:58
  29. She Still Needs You – 2:11
  30. One Final Proposal – 1:28
  31. Where Should I Sit? – 3:51
  32. Remember Who You Are – 1:55
  33. You’re Perfect – 1:19

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