The Legend of Vox Machina – Neal Acree

Legend of Vox Machina (Amazon Original Series Soundtrac

Musik komponiert von
Neal Acree
“Your Turn To Roll” komponiert von
Sam Riegel & Jason Charles Miller
Orchestriert von
Nolan Markey
Ergänzende Musik und Songs von
Sam Riegel, Peter Habib
& Mr. Fantastic
Solisten:
Tina Guo (Elektro-Cello), Paul Cartwright (Fidel),
Kristin Naigus (Holzbläser) & Eric Rigler (Pipes)

Wer in der „Dungeons & Dragons“-Szene unterwegs ist, kommt über kurz oder lang nicht an Critical Role vorbei, einer gewaltigen Reihe von Videos, in welchen amerikanische Voice Actors gemeinsam D&D spielen und damit einen gigantischen Erfolg haben. Inzwischen umfasst die Reihe drei Kampagnen und zahlreiche One-Shots, wozu es auch bereits Fan-Animationen und offizielle Comics gab – und nun auch eine Animations-Serie, dessen Crowdfunding-Hintergrund man dem Ergebnis definitiv nicht ansieht: hochwertig produziert und dank des Original-Casts ebenso witzig und dramatisch wie die Rollenspiel-Sessions selbst, wird in „The Legend of Vox Machina“ ein Teil der Geschichte erzählt, welche die Söldnertruppe der ersten Kampagne erlebte, bevor deren Abenteuer öffentlich gestreamt wurden, aber auch einer der beliebtesten Arcs der Reihe wurde adaptiert. Dabei vollbringt die Serie das Wunder, sich sowohl für langjährige Fans als auch für Newcomer perfekt zu eignen, da selbst Insider-Gags organisch eingebunden werden und Charaktere sowie Szenarien sehr gut für sich allein funktionieren, ganz ohne Vorwissen. Auch in die deutsche Vertonung wurde unfassbar viel Mühe investiert, sodass kaum etwas vom grandiosen Original verloren geht. Aber Vorsicht: trotz der hübschen Optik ist dies keine Serie für Kinder, denn der Humor ist deftig und die Kämpfe wahnsinnig brutal.

Für die Musik holten sich die Macher hinter der Serie einen Profi, gerade im Fantasy-Bereich: Neal Acree ist vor allem als Videospiel-Komponist bekannt („World of Warcraft“, „Rend“, „Diablo III“) und ließ sich etwas besonderes einfallen, um den Gig für die Serie zu bekommen: er arrangierte eine Orchester-Version des von Sam Riegel und Jason Charles Miller komponierten Titelsongs der Video-Reihe, „Your Turn To Roll“, was den Machern zeigte, dass Acree der richtige Mann für den Job sein würde. In mehreren Sessions mit dem Budapest Scoring Orchestra aufgenommen, verbindet die Musik die Art von Melodien und Arrangements, die man bei einem Score dieser Art erwarten würde, allerdings angereichert mit kontemporären Rock-Sounds und sogar Songs! Wer bereits ein Fan von Bear McCrearys „Masters of the Universe: Revelation“ war, wird sich bei diesem Score sicher direkt wohlfühlen, doch was „The Legend of Vox Machina“ dem He-Man-Reboot voraus hat, ist eine gewaltige Portion Augenzwinkern.

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Die schon erwähnte Melodie des Titelsongs der Streaming-Reihe wird auch in der Serie selbst verwendet. Genauer gesagt fungiert sie als Hauptthema und eröffnet in „Opening Titles“ direkt das Album, als ausschweifende Orchester-Version, nahezu übertrieben dramatisch und heroisch, inklusive Chor. Das Thema kommt in sehr vielen Titel vor: ob nun flott und verspielt in „Tavern Brawl“, in die bombastische Action von „The Terror of Tal’Dorei, Pt. II“ und „A Narrow Escape“ eingebaut oder von düster-eleganten Celli in „The Cello Begins” vorgetragen, Neal Acree verarbeitet die Melodie stets sehr gekonnt und passend. In „Fighting Back“ mischt sich deftiges Orchester mit „Huh-Hah!“-Chor und Rock-Elementen, inklusive E-Gitarre und Tina Guos Elektro-Cello, was einfach richtig schön reinknallt und den Puls sofort in die Höhe treibt. Grimmig und entschlossen erklingt das Thema in „Die Gloriously“ und mit mehr Percussion und Chor in „The Adventure Begins“, „Signal in the Sky“ bietet eine hoffnungsvolle Version auf und „Turning Tides“ sowie „Blinded By the Light“ sind mit fremdartigem Chor und exotisch anmutenden Gong-Percussion sehr heroisch und triumphierend, bevor die Melodie noch einmal in „Home“ sehr märchenhaft zu hören ist, voller Frieden und Magie.

Abseits davon gibt es noch ein Thema für das Königreich Tal’Dorei, welches entsprechend majestätisch mit Orchester und Chor in „Long Ago…“ vorgestellt wird und am Schluss in mehrere Stinger mit heftigem Fake-Latein-Chor mündet. Das Thema kehrt in „Visiting the Castle“ und „Skyship“ zurück. Andere Titel wie „The Village“, „Embers“ und „Pike’s Farewell“ sind sehr viel ruhiger, haben aber auch einen tragischen Anteil. „Two Teams“ ist mit Streichern, Percussion, Holzbläsern, Lauten und Gitarren im Prinzip die Fantasy-Version einer Heist-Sequenz, welche viel Spaß macht. Tracks wie „Meet the Briarwoods“, „The Ritual“ und „The Doorway” gehen um einiges düsterer und tückischer zur Sache.

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Die Action habe ich schon mit „Fighting Back“ erwähnt, aber was das angeht, gibt es noch so viel mehr: beide „The Terror of Tal’Dorei“-Tracks sind extrem laut und überwältigend, wohingegen „Shadow at the Gates“ mit Horror-Chor auch einem Christopher Young-Score entnommen sein könnte. „Scanbo“ ist mit dröhnenden und schmetternden Blechbläsern sowie krachendem Schlagwerk entsprechend bombastisch, wohingegen „Heavy“ erst mit flotter Laute, dann jedoch mit Heavy Metal-E-Gitarre und Schlagzeug vorangetrieben wird. Als reines Hörerlebnis mag dies seltsam anmuten, ergibt innerhalb der Szene aber absolut Sinn und mischt sich auch mit Streichern und Blechbläsern, wobei das Hauptthema erneut variiert wird. „No Mercy Percy“, „When Murder Entered My Heart“ und das Zweier-Gespann “The Darkness Within” schließlich beschäftigen sich mit Percys innerem Konflikt und seinem Durst nach Rache und klingen mit gruseligem Chor, welcher teilweise ruft, schreit oder flüstert, entsprechend bedrohlich, wobei aber auch Platz für erlösendere Klänge gelassen wird.

Und dann wären da noch die Songs: Sam Riegel, Sprecher und Schöpfer der Gnomen-Bardenfigur Scanlan, erdachte gemeinsam mit Peter Habib von der Musikgruppe Mr. Fantastic mehrere Original-Songs, welche in die Handlung eingebaut wurden. So ziemlich all diese Songs, und seien es nur Schnipsel, haben es auch auf das Album geschafft: „Scanlan’s Love Song“ ist nur ein winziger Ausschnitt eines eher unanständigen Minne-Liedes und wird jäh unterbrochen, bevor ein böses Wort fallen kann, „Sneaking In“ ist ein kleines Comedy-Zwischenspiel, in welchem Riegel als Scanlan kommentiert, was in der entsprechenden Szene passiert, „Nevosh, Nevonn“ ist eine gesungene Zauberformel und „You Got Scanlan’d“ ist ein kindisches, aber lustiges „Ätsch-Bätsch“-Lied. „The Legend is Back“ beginnt als Hurra-Song und geht bei der nahezu gebrüllten Zeile „Get Ready to Fly!“ in triumphale Blechbläser und Schlagzeug über, „As You Are“ endet mit schönem Gesang, was als Teaser für die Ballade „Pike Trickfoot“ dient und „Rise, Mighty Scanlan, Rise!“ lässt Riegel den Track mit E-Gitarre beschließen.

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Dann sind da aber noch zwei vollständige Songs, die besonders herausstechen: „The Legend of Vox Machina“ ist im Prinzip ein Intro-Song für jedes Mitglied der Söldnertruppe im verspielten Disney-Stil, mit dem Unterschied, dass Fluchwörter fallen und es an einer Stelle in Beatboxing und Rap übergeht, was in der Szene selbst noch viel witziger ist. Das andere Lied, „Pull My Beads of Love“, ist ein sehr sexuell aufgeladener Song mit Schlagzeug und Saxophon, was auch perfekt zu einer „Fifty Shades of Grey“-Parodie passen würde. Was gäbe ich dafür, eine Version von „Fifty Shades Darker“ zu sehen, in welcher dieser Song den Abspann einläutet.

Fazit:

„The Legend of Vox Machina” hat genau den Score bekommen, welcher der Serie angemessen ist: wie Neal Acree die unter Fans bereits bekannte Titelmelodie vielfach und kreativ verarbeitet hat, ist wirklich ein großes Vergnügen und die Orchester- sowie Rock-Arrangements bilden eine sehr gelungene Kombination. Aber auch abseits von Action und Comedy liefert der Komponist ordentlich ab und bietet ehrliche, dramatische Momente voller Emotion auf. Die Songs wiederum fungieren als wunderbare Pause zwischendurch und bringen sicher nicht nur langjährige Fans zum Lachen. Ich hoffe wirklich, weitere Fantasy-Scores nehmen sich an einem Release wie diesem ein Beispiel und packen so gut wie alles, was es an Song-Material gibt, auf das Album – überhaupt möchte ich gerne mehr (Barden)-Lieder in Fantasy-Filmen und Serien hören! „The Legend of Vox Machina“ jedenfalls hat sich 4/5 Punkte absolut verdient und ich empfehle auch die Serie selbst absolut jedem, der auch nur ein kleines bisschen neugierig ist – Staffel 2 kann wirklich nicht schnell genug kommen!

Trackliste mit Längenangabe und Anspieltipps:

  1. Opening Titles – 1:05
  2. Long Ago… – 1:04
  3. Tavern Brawl – 1:35
  4. Scanlan’s Love Song (Sam Riegel & Mr. Fantastic) – 0:12
  5. Visiting the Castle – 0:55
  6. The Legend of Vox Machina (Sam Riegel & Mr. Fantastic) – 1:11
  7. Skyship – 1:37
  8. The Village – 2:59
  9. The Terror of Tal’Dorei, Pt. I – 0:57
  10. The Terror of Tal’Dorei, Pt. II – 1:42
  11. Embers – 1:33
  12. Die Gloriously – 0:53
  13. The Adventure Begins – 0:45
  14. Scanlan’s Hand! (Sam Riegel & Mr. Fantastic) – 0:06
  15. Meet the Briarwoods – 1:36
  16. Fighting Back – 1:57
  17. The Cello Begins (feat. Sam Riegel) – 0:46
  18. Pull My Beads of Love (Sam Riegel & Mr. Fantastic) – 1:26
  19. A Narrow Escape – 1:47
  20. Shadows at the Gates – 1:13
  21. Pike’s Farewell – 1:44
  22. As You Are (feat. Sam Riegel & Mr. Fantastic) – 1:55
  23. Rise, Mighty Scanlan Rise! (feat. Sam Riegel & Mr. Fantastic) – 0:28
  24. Two Teams – 2:05
  25. No Mercy Percy – 3:42
  26. Sneaking In (feat. Sam Riegel & Mr. Fantastic) – 0:36
  27. Scanbo – 1:14
  28. Nevosh, Nevonn (Sam Riegel & Mr. Fantastic) – 0:12
  29. A Tragic End – 1:20
  30. When Murder Entered My Heart – 2:16
  31. Signal In the Sky – 1:54
  32. You Got Scanlan’d (Sam Riegel & Mr. Fantastic) – 0:17
  33. Choose Your Path – 1:58
  34. The Tide of Bone – 1:21
  35. The Legend is Back (feat. Sam Riegel & Mr. Fantastic) – 0:35
  36. Assault from All Points – 1:17
  37. Your Turn To Lead – 1:42
  38. A Sign From Above (feat. Sam Riegel & Mr. Fantastic) – 1:15
  39. Pike Trickfoot (Sam Riegel & Mr. Fantastic) – 0:47
  40. Heavy – 2:49
  41. Turning Tides – 3:18
  42. Blinded By the Light – 1:26
  43. The Ritual – 2:20
  44. The Doorway – 1:20
  45. The Darkness Within, Pt. I – 3:40
  46. The Darkness Within, Pt. II – 1:13
  47. Home – 1:38

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