Uncharted – Ramin Djawadi

UnchartedMusik komponiert & Produziert von
Ramin Djawadi
Dirigiert von
James Shearman
Orchestriert von
Stephen Coleman, Andrew Kinney
& Michael J. Lloyd

Hollywood versucht weiterhin auf Gedeih und Verderb, Videospiele zu verfilmen, ganz egal, wie groß der letzte Fehlschlag war. Meiner Meinung nach haben zwar einige Games durchaus Potential, als reine Narrative in Film- oder Serien-Format zu funktionieren, aber dennoch geht stets etwas verloren, wenn man Spielen die interaktive Komponente entfernt. „Uncharted“ nun, als Game-Franchise ganz klar als moderne Hommage an „Indiana Jones“ angelegt, hat teilweise durchaus dieselben Probleme wie viele andere Spiele-Adaptionen davor, aber vergisst dabei immerhin nicht den Spaß-Faktor. Das Skript hat zwar massive Probleme und technisch gesehen sind Tom Holland und Mark Wahlberg fehlbesetzt, harmonieren aber sehr gut miteinander. Der Rest der Besetzung zeigt Potential, wird von Struktur und Drehbuch jedoch oftmals im Stich gelassen, vielen Sequenzen rund um die Schatzsuche fehlt Spannung, dafür jedoch ist die Action gelungen und mit ordentlich Rasanz und Wucht in Szene gesetzt. Insgesamt ist „Uncharted“ damit nur ein Standard-Abenteuerfilm von der Stange, aber immerhin vergnüglicher als „Tomb Raider“ und nicht so grauenhaft wie „Assassin’s Creed“.

Als Komponisten heuerten Regisseur Ruben Fleischer und die Produzent*innen Ramin Djawadi an, welcher definitiv Erfahrung mit Abenteuer und Action hat und auch bereits Videospiele („New World“) und sogar eine Game-Verfilmung vertonte („Warcraft“). Viele Fans der „Uncharted“-Reihe waren enttäuscht, dass sich die Filmemacher*innen nicht an den Game-Komponisten Greg Edmonson gewandt hatten, dessen Titel-Thema sich großer Beliebtheit erfreut. Aber Djawadi ist ein fähiger Mann, der weiß, wie man einen unterhaltsamen Score komponiert. (Ein weiterer geeigneter Kandidat wäre Henry Jackman gewesen, welcher den Score für das vierte Spiel schrieb.) Und obgleich Djawadi in diesem Fall etwas hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt, hat mir das Ergebnis dennoch gefallen.

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Das Hauptthema, sofort zu hören im ersten Titel, „Uncharted“, ist das definitive Highlight des Albums, eine flotte, pompöse Melodie für Blechbläser, Streicher und teilweise krachende Percussion. Das Thema hat etwas von einem modernen Swashbuckler, also vollkommen angemessen für einen Film wie diesen, macht großen Spaß und ist ein Instant-Ohrwurm. So toll dieses Thema auch ist, es gibt zwei Haken: zum einen untermalt dieser Track nicht die Main Credits, sondern erklingt unvollständig erst ganz am Schluss des Abspanns, was wirklich schade ist. Und zum anderen nutzt Djawadi das Potential des Themas leider nicht vollends aus.

Wann immer das Hauptthema in den folgenden Titeln irgendwo eingebaut wird, ist der Score am besten: ob nun mit deftig-coolen E-Gitarren in „I’m All In“, mit sanftem Chor und Streichern in „Clockwise Keys“ oder sehr entschlossen in „A Whole World You Haven’t Seen“, Djawadi bietet einige gelungene Variationen auf. Auch für Wahlbergs Figur Sully gibt es ein wenig thematisches Material, vorgestellt mit Akustik- und E-Gitarren, listigen Percussion und Elektronik in „Hey Kid“, auch in „Give Me The Cross“ kommt es vor. Das Thema, welches neben der Hauptmelodie am prominentesten eingesetzt wird, ist das von mir so genannte Entdecker/Schatz-Thema, welches zum ersten Mal am Ende von „Hey Kid“ zu hören ist und auch in „Skeleton with Angel Wings“, mit Streichern und Holzbläsern in „Giant Urns“, am Ende von „Have Some Respect“, sehr triumphal in „Postcards“, mehrmals in „A Whole World You Haven’t Seen“ mit erlösendem Chor und auch in „Lost Not Gone“ vorkommt. „The Biggest Treasure Never Found“ ist eine Art kleine Suite für die Melodie, größtenteils orchestral und teilweise sehr triumphierend arrangiert.

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„Brothers“ ist mit Akustik-Gitarren, Klavier und Streichern sanft und emotional, wohingegen „Meeting Braddock“ und „House of Moncada“ um einiges bedrohlicher sind, unter anderem mit spanisch angehauchten Gitarren. Einige Action-Titel wie „Parachute“ und „Give Me The Cross“ sind deftig, bieten aber kaum Melodik. „Only One Rule In This Game“ ist da mit Hauptthemen-Anspielungen schon besser und klingt vage nach „Pacific Rim“, „Cross Purposes“ ist mit Elektronik, Percussion und abermals spanischen Gitarren flott und klingt ganz ähnlich wie Trevor Rabins „National Treasure“. „Heart of Gold“ hat wieder spanisch anmutende Gitarren aufzubieten und „Ready To Make History“ ist anfangs bedrohlich und tückisch und geht später mithilfe des Hauptthemas sowie Blechbläsern, Streichern und Schlagwerk in eine Art grimmigen Marsch über.

Für das luftige Finale in „Flying Galleons“ geht Djawadi etwas mehr in die Vollen: das Hauptthema und Sullys Material werden in die wieder nach „Pacific Rim“ klingende Action mit Streichern, Blechbläsern, Schlagwerk und schrammelnden E-Gitarren eingearbeitet. Ganz lustig ist die kurze Stelle bei 0:30, wenn Djawadi eine versteckte Anspielung auf die „Pirates of the Caribbean“-Scores einbaut, während Tom Hollands Nathan Drake herumalbert und Wahlberg ihn Jack Sparrow nennt – umso witziger, da Djawadi als ergänzender Komponist an dem Piraten-Franchise beteiligt war. In „Cannonball“ wird die Action mit einigen Verarbeitungen des Hauptthemas noch deftiger, es dröhnt, schrammelt und kracht ganz ordentlich, allerdings wäre hier etwas mehr Melodik schöner gewesen, vielleicht weg von der Elektronik und mehr in Richtung orchestraler Swashbuckler – das Szenario hätte dies hergegeben.

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Fazit:

Letztendlich kann der Score nicht ganz das einhalten, was er zu Anfang verspricht: das Hauptthema ist wirklich gelungen und einige der Variationen machen ebenfalls Freude. Leider kommt es jedoch nicht so oft vor, wie es der Musik gut getan hätte und in bestimmten Tracks dürfte die teilweise verspielte, aber auch oftmals kräftige Elektronik so manchen Hörer*innen gehörig auf die Nerven gehen. Ich meinerseits hätte mir mehr orchestrales Abenteuer und weniger elektronische Heist-Musik gewünscht, obwohl die E-Gitarren und Percussion einigen Action-Momenten durchaus Wucht verleihen. Dazu sei noch gesagt, dass Greg Edmonsons Game-Thema an zwei Schlüssel-Stellen im Film selbst und auch im Abspann erklingt, jedoch nicht auf dem Album enthalten ist. Ramin Djawadis Talent ist unbestreitbar und wer weiß, welche Grenzen ihm in diesem Fall gesetzt waren. Ich jedenfalls vergebe mit ganz milder Enttäuschung 3,5/5 Punkte und empfehle vor allem das wunderbare Hauptthema, welches seit Erscheinung des Scores in Dauerschleife auf meinem iPod läuft – vielleicht gefallen euch dieses und die anderen Anspieltipps ja genauso gut wie mir.

Trackliste mit Längenangabe und Anspieltipps:

  1. Uncharted – 2:06
  2. Parachute – 1:41
  3. Brothers – 1:58
  4. Hey, Kid – 1:49
  5. I’m All In – 1:42
  6. Meeting Braddock – 2:02
  7. Only One Rule in this Game – 4:31
  8. Heart of Gold – 2:15
  9. Cross Purposes – 2:15
  10. Clockwise Keys – 3:15
  11. Skeleton with Angel Wings – 3:23
  12. Give Me the Cross – 3:13
  13. Giant Urns – 1:33
  14. Sully’s Secret – 1:48
  15. Ready to Make History – 2:33
  16. Have Some Respect – 1:13
  17. House of Moncada – 2:16
  18. Postcards – 3:18
  19. A Whole World You Haven’t Seen – 4:01
  20. Flying Galleons – 2:11
  21. Cannonball – 3:41
  22. Lost Not Gone – 2:01
  23. The Biggest Treasure Never Found – 3:47

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