The Princess – Natalie Holt

PrincessMusik komponiert & Produziert von
Natalie Holt
Dirigiert von

Andy Brown
Orchestriert von

Nathan W. Klein & Harry Brokensha
Ergänzende Musik von

Jack Halama
Kattajjak-Komposition & Performance:

Tanya Tagaq
Solist*innen:

Jack Halama (Gitarren), Emily Baines (Schalmeien, Dudelsäcke und Flöten),
Steve Tyler (Hurdy-Gurdy), Adam Betts & Joby Burges (Percussion)

Ab und zu kommt so ein Film daher, welcher ganz genau weiß, was er ist. „The Princess“, ein 20th Century Studios-Film, welcher in Amerika auf dem Streaming-Service Hulu und hierzulande auf Disney+ erschien, ist so ein Fall: ein trashiges Konzept, welches optimal genutzt wird. Joey King spielt eine in einen Turm gesperrte Prinzessin, welche sich den Weg hinunter und hinaus freikämpfen und noch dazu ihre Familie retten und einen Tyrannen zur Strecke bringen muss. Jeder der Beteiligten ist gut sichtbar vollends an Bord, die Kampfszenen sind hart und rasant und bevor das Gekämpfe droht, langweilig zu werden, ist der Film auch schon wieder vorbei. Ich empfehle den Film allen, die nicht bis zum nächsten „John Wick“ warten und damit leben können, dass es hier anstelle von Knarren mit Schwertern an die Eingeweide geht. Ich wurde von dieser Badass-Prinzessin jedenfalls gut unterhalten und bin sehr von Joey King beeindruckt, die viele ihrer Stunts selbst ausführt.

Der Score stammt von Natalie Holt, welche zuletzt einige größere Projekte vertonen durfte, besonders im Disney-Serien-Bereich: „Loki“ machte sie vielen Mitgliedern der Filmmusik-Community erst so richtig bekannt und erst dieses Jahr sorgte sie mit ihrer Arbeit an „Obi-Wan Kenobi“ für sehr gemischte Stimmen. Davor hat sie ebenfalls viel im Fernseh-Bereich gemacht, nachdem sie ihre Karriere im Team von Ilan Eshkeri begann. Ihre Projekte sind ebenso zahlreich wie vielseitig und es ist offensichtlich, dass sie sich mit einem Score, wie sie ihn für „The Princess“ abgeliefert hat, durchaus wohl fühlt.

Princess 1

Gleich der erste Track, „The Lake“, wiegt den/die Hörer*in noch in falscher Sicherheit mit einer nahezu märchenhaften Melodie für Streicher, Holzbläser, Dudelsäcke, Gesang, Harfe und Glockenspiel, allerdings mit einem deutlich ironischem Anklang. In eine ähnliche Richtung geht auch der letzte Score-Titel „True Victory“, wo das Thema erlösend-heroisch variiert wird und in der zweiten Hälfte besonders hochtrabend erklingt. Der Rest des Albums, wenn man von einigen eher auf Suspense setzenden Tracks absieht, besteht quasi nur aus Action, und dabei noch nicht einmal aus besonders origineller, denn hier stand ganz klar Daniel Pembertons „King Arthur: Legend of the Sword“ Pate. Kenner*innen und/oder Fans des 2017er-Scores zu Guy Ritchies Fantasy-Reinfall werden mehrere Ideen, Orchestrierungen oder sogar ganze melodische Passagen mehr als nur ein bisschen bekannt vorkommen.

In „First Fury“ wird es erstmals temporeicher, wobei sich auch E-Gitarren zu Percussion und Streichern mischen. „Know Your Place“ klingt mit seinen flotten Fideln, Blechbläsern, E-Gitarren und Trommeln nach „Growing Up Londinium“ und „Crossbow“ erinnert mit seinen leicht komödiantischen Einlagen an „The Witcher“. In „The Sword“ sind die Percussion schön deftig-klackernd und vermischen sich mit Gesang, Streichern und Klavier, wobei auch die Titel-Melodie unterschwellig zurückkehrt, bevor wir in „Tin Man“ abermals schrammelnde E-Gitarren mit Streichern und Percussion zu hören bekommen, was ein wenig wie Rupert Gregson-Williams‘ „Aquaman“ klingt. Für den wahrhaftig mittelalterlichen Touch sorgen jedoch die Schalmeien, welche meiner Meinung nach viel zu selten in Filmmusik Verwendung finden, wohingegen sie mir bei jedem immer gleichen „Schandmaul“-Song inzwischen gründlich zum Hals heraus hängen.

Princess 5

In „The Tower“ bilden gefahrvoll dröhnende Blechbläser mit Drumkit, E-Gitarren und Schalmeien, Holzbläsern und Dulcimer eine verrückte Mischung, welche jedoch funktioniert. „Stair Siege“ ist der längste Track, wo es auch ein wenig moderner zugeht: die E-Gitarren erinnern an bestimmte Tracks von Nine Inch Nails, die Percussion und die teilweise wild atmende Stimme sowie Streicher und Dudelsäcke klingen abermals nach Pembertons „King Arthur“. Die Gesangs-Parts stammen hierbei übrigens von Tanya Tagaq, welche sich auf Kattajjak spezialisiert hat, einen bei den Inuit gebräuchlichen Gesang, welcher unvergleichlich klingt, hier jedoch nur bruchstückhaft zum Einsatz kommt. In „I’m the Princess“ kommt zu leicht quietschenden, flotten Streichern, Trommeln, Schellen und E-Gitarren auch Fingerschnipsen hinzu, „Meet Moira“ klingt dank des Kehlgesangs und flüsternder Stimmen archaisch, „True Warrior“ bietet den wohl unvermeidlichen „Warrior Princess“-Gesang auf, welcher durch so viele andere Scores bereits zum Klischee gemacht wurde und die kratzende Geige in „Rescue“ lässt an „A Plague Tale: Innocence“ denken.

„Dungeon“ rückt die frech-komödiantische Flöten-Melodie, welche bereits in der Action vorkam, in den Vordergrund, „Reunited“ verschafft uns eine kurze Ruhepause mit der Titelmelodie, bevor es deftig-cool und entschlossen wird und wir in „Revolting“ flotte Action mit Dröhnern, Streicher-Ostinati und Percussion satt geboten bekommen. In „Moira Fight“ ist der „Legend of the Sword“-Temp-Track am offensichtlichsten, klingt die erste Hälfte des Titels doch quasi wie eine 1:1-Kopie des Titels „The Power of Excalibur“. Instrumentierung, Rhythmus und Melodie sind wahrhaftig gleich, allerdings fehlt es dieser Version ein wenig an Wucht. Als Musik allein lässt sich das sehr gut hören, aber der Einfluss ist nicht zu leugnen. Nach einem wundervoll triumphierend-emotionalen Aufbau für Orchester und Gesang in „Be That Power“ und der Rückkehr des Titel-Themas in „True Victory“, wo die Musik an Pembertons „The Dark Crystal: Age of Resistance“ erinnert, klingen Film und Album mit dem Bukola-Song „White Wedding“ aus, einem tatsächlich sehr unterhaltsamen Lied mit eingehender Melodie und munterem Text, wobei auch die Mittelalter-Instrumente und verschiedene thematische Elemente aus dem Score mit eingebracht werden.

THE PRINCESS

Fazit:

Mit „The Princess“ erfindet Natalie Holt das Rad beiweitem nicht neu, liefert jedoch genau den Score ab, den der Film braucht. Die Action ist energetisch, die Arrangements teilweise durchaus unkonventionell und einige der melodischeren Passagen bleiben hängen. Wenn man sich also nicht an dem offensichtlichen Temp-Track-Einfluss stört (wobei Holt ja auch wirklich nicht die Erste ist, die einer derartigen Versuchung erliegt), so findet man hier einen unterhaltsamen Stil-Mix vor, bei dem sich die entsprechend markierten Anspieltipps durchaus lohnen. 3/5 Punkte gibt es dafür von mir und ich freue mich auf Holts künftige Arbeiten – ganz gleich, für welches Projekt.

Trackliste mit Längenangabe und Anspieltipps:

  1. The Lake – 1:26
  2. First Fury – 1:51
  3. Julius – 1:21
  4. Know Your Place – 2:38
  5. Crossbow – 1:21
  6. The Sword – 3:09
  7. Tin Man – 2:12
  8. The Tower – 1:33
  9. Stair Siege – 5:50
  10. I’m the Princess – 1:38
  11. Meet Moira – 2:27
  12. True Warrior – 1:31
  13. Rescue – 1:07
  14. Dungeon – 0:48
  15. Reunited – 2:36
  16. Revolting – 0:49
  17. Underestimated – 1:51
  18. Moira Fight – 2:31
  19. Be That Power – 2:16
  20. True Victory – 3:51
  21. White Wedding (komponiert von Billy Idol, arrangiert von Natalie Holt, vorgetragen von Bukola) – 4:16
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