King Arthur: Legend of the Sword – Daniel Pemberton

King Arthur_ Legend of the Sword (Original Motion Picture S

Musik komponiert und produziert von
Daniel Pemberton
Dirigiert von
Alastair King & Geoff Alexander
Orchestriert von
Ben Foskett & Andrew Skeet
Musiker:
Clare Salaman, Sonia Slany
Pavlo Besnoziuk, Clare Salaman,
Peter McCarthy, Susanna Pell,
Steve Tyler, Nicholas Perry,
Robin Joffrey, Leo Abrahams,
Jon Noyce, Emma Smith,
Adem Ilhan, Rob Farrer,
Paul Clavis, Ian Thomas,
Lilly Alabama Herbert & Daniel Pemberton
Chor:
RSVP Singers
Orchestrale Elemente:
Chamber Orchestra of London

Die Geschichten um King Arthur, die Ritter der Tafelrunde und Merlin gehören zu den bekanntesten der Welt. Nicht nur waren sie das Quellmaterial zahlreicher Bücher, sondern auch unzähligen Filmen und Serien dienten sie als Inspiration, darunter dem Fernseh-Zweiteiler “Merlin” mit Sam Neill in der Titelrolle, John Boormans “Excalibur”-Epos und Antoine Fuquas Action-Film “King Arthur”, welcher den Mann hinter dem Mythos zeigen wollte und das Jerry Bruckheimer-Spektakel vor einem historisch-realistischen Hintergrund inszenierte, was ein wenig seltsam ist, da es keinerlei historische Beweise dafür gibt, dass Arthur und Consorten tatsächlich existierten, die Geschichten beschränken sich auf Sagen und Folklore. Macht Platz für Guy Ritchie, der Sage seinen eigenen Stempel aufzudrücken, denn Hey: Nach einem ähnlichen Prinzip hat es ja auch schon mit “Sherlock Holmes” funktioniert, nicht wahr? Leider ging der abgedreht-durchgeknallte Fantasy-Versuch voll in die Hose, “King Arthur: Legend of the Sword” ist eine beeindruckende Katastrophe mit tapfer agierenden Mimen, aber extrem enervierendem Schnitt, durchwachsenen Effekten, unübersichtlicher Action und anachronistisch flippigem Dialog geworden, die eher anstrengt als unterhält. Das einzig wirklich interessante an dem Film ist Daniel Pembertons Score – und mit “interessant” meine ich jede denkbare Bedeutung des Wortes.

Daniel Pemberton ist ein vergleichsweise noch frischer Komponist, obwohl er seit den 1990er Jahren zahlreiche Fernseh-Projekte vertonte. Erst 2011 gelang ihm der Sprung zu Kinofilmen, darunter ein Werk von Ridley Scott (“The Counselor”) und später engagierte ihn Guy Ritchie für “The Man from U.N.C.L.E.” (2015), dessen Score bereits die Experimentier-Freude des Musikers zeigte. “King Arthur: Legend of the Sword” ist die Krönung von alldem: Die Musik ist sehr laut, sehr deftig, sehr unkonventionell, sehr kompliziert und sehr schwierig – und gerade deshalb mag ich sie so!

Was den Score so schwierig macht, ist die Tatsache, dass es so gut wie keine wirklichen Themen gibt. Die Musik setzt sich größtenteils aus einigen rhythmischen und strukturellen Ideen zusammen, die dem ganzen eine Richtung geben sollen. Dies entsteht durch eine außergewöhnliche Zusammenstellung von alten und teilweise sogar antiken Instrumenten, die auch einen bewusst “anderen” und sogar unangenehmen Sound erzeugen sollten. Das Motto Pembertons war: Je “fürchterlicher” der Klang, desto besser! Das hört sich allerdings schlimmer an, als es ist, denn wirklich unangenehm sind nur einige Titel, größtenteils werden Hardanger, Hurdy Gurdy, antike Gitarren, Essstäbchen und sogar eine Kuhglocke sehr passend eingesetzt, zusammen mit einer Auswahl an Percussions und mittelalterlichen Hörnern. Es finden sich sogar etwas konventioneller klingende Tracks auf dem Album, zum Beispiel der Vorspann-Titel “King Arthur: Legend of the Sword”, eine Art Marsch, in welchem die zahlreichen Solo-Instrumente auch von Orchester begleitet werden. Die Musik ist derbe, düster und hätte wahrscheinlich auch so ähnlich geklungen, wenn Hans Zimmer als Komponist ausgewählt worden wäre. Tatsächlich scheint bei einigen Titeln ein wenig Temp-Track durch, so erinnert “The Legend of Excalibur” mit seinen tiefen Streichern an “The Dark Knight Rises” und “Batman v Superman”, ab 1:42 mit einem kleinen heroischen Thema auch an “The Last Samurai” und “Interstellar”, “Revelation” ruft auch das Luthor-Thema aus “BvS” in Erinnerung. Der Anfang von “Tower and Power” geht in eine ähnliche Richtung, der Schluss von “Assassins Breathe” klingt nach “Sherlock Holmes” und “Camelot In Flames” könnte auch aus Ramin Djawadis “Game of Thrones”-Scores stammen können, “The Lady In the Lake” hört sich sogar ein wenig nach “The Rains of Castamere” an. Diese Tracks sowie die auf dem Titel-Thema basierenden Titel “Journey to the Caves”, “Destiny of the Sword”, “The Coronation” und Teile von “The Vikings and the Barons” sind entsprechend tönend und passen auch zum Setting, sind aber vergleichsweise die am wenigsten interessanten, da sie so ähnlich auch in anderen Mittelalter-Scores vorkommen könnten.

Die Punkte, in denen der Soundtrack am meisten überzeugt, sind seiner extravaganten Instrumenten-Auswahl sowie den pulsierenden Rythmen geschuldet. “Growing Up Londinium” ist schnell, simpel und dennoch brachial, rau und ursprünglich. Rasante Percussions, eine flotte Fidel und eine aggressive Stimme auf der Tonspur, die atmet, keucht und schreit (Daniel Pemberton selbst!) formen extrem gewöhnungsbedürftige, aber sehr originelle Musik, “Run Londinium” bietet eine Verlängerung dieser Idee. “Jackseye’s Tale” ist ein weiterer Tipp, etwas ruhiger, mit herrlich kratzenden Streichern, klackernden Trommeln, der schon erwähnten Kuhglocke, einem Tamburin und alten Gitarren, die sich augenzwinkernd zu einem listigen, leicht komödiantischen Titel verbinden. “Seasoned Oak” bietet auch schnelle Fideln, Trommeln und Gitarren, “Assassins Breathe” lässt Pusten und atmen erklingen, was sich teilweise wie das Hecheln eines Hundes anhört, “The Power of Excalibur” klingt wie eine mittelalterliche Version von Don Davis‘ “Matrix”-Scores. Titel wie “The Story of Mordred”, “Vortigen and the Syrens”, “Fireball” und “Camelot In Flames” sind eher unheimlicher, gar gruseliger Natur und enthalten sogar Frauenchor.

Wie schon gesagt ist die Musik absichtlich so angelegt, ungewöhnlich und ursprünglich zu klingen, größtenteils geht diese Formel jedoch vorteilhaft auf. Nur “The Darklands” ist hart an der Grenze mit heiseren Schreien und leichter Elektronik, erinnert gar an Tom Holkenborgs “300”-Scores. “The Politics & the Life” und “The Devil and the Huntsman” entpuppen sich sogar als Songs, der erste anscheinend mit altenglischem Text, der zweite mit angenehm altmodischem, rauen Timbre vorgetragen, was ein wenig nach langsamem, aber deftigem Mittelalter-Rock klingt. Einigermaßen cool, aber vermutlich Geschmackssache. Die in der Download-Version enthaltenen Bonus-Tracks bieten unter anderem eine Instrumental-Version von “The Devil and the Huntsman” sowie einige etwas ruhigere Stücke auf, “The Ballad of Londinium” mit traurigen, andächtigen Fideln, “Anger” ist leise, aber gefahrvoll, “Cave Fight” enthält klimpernde und rasselnde Percussions.

Daniel Pemberton holt aus seinen Instrumenten die vielseitigsten Klänge heraus, die man sich vorstellen kann, er lässt die Streicher kratzen, knarren, scheuern und quietschen, die Frauenstimmen flüstern, Trommeln klackern und klicken und die düsteren Hörner wie Didgeridoos dröhnen. Die hier dargebotene Kreativität ist unglaublich und sogar an das merkwürdige Atmen und Keuchen in einigen Tracks gewöhnt man sich irgendwann. Allerdings ist es schwer, mangels echter Themen einen genauen Bezug zu einzelnen Szenen herzustellen. Im Film selbst ist die Musik laut und dominant, aber viele Titel ähneln sich teilweise sehr, was die Zuordnung noch schwerer macht. Insgesamt ist das Album eine große Ansammlung von Ideen und Designs, die sich in der Handlung selbst etwas besser macht denn als reines Hörerlebnis.

Fazit:

“King Arthur: Legend of the Sword” mag als Film ein Reinfall sein, als Musik jedoch nicht. Man muss als absolute Warnung aussprechen, dass der Score nichts für jeden sein wird, die Musik ist harsch, rau, deftig und teilweise so fremdartig, dass es dem durchschnittlichen Konsumenten schwer fallen wird, einen guten Zugang zu finden. Mir persönlich gefällt diese originelle Herangehensweise aber sehr, es ist selten, gerade in einem Mittelalter-Fantasy-Film (und mag er noch so verrückt sein) einen derart unkonventionellen Score zu finden. Fernab von heroischen Themen und melodiös-ausschweifendem Orchester ist dieses Album eine echte Abwechslung zur Norm und somit vergebe ich großzügige 4/5 Punkte mit der Empfehlung, sich lieber erst durch das Anspielen einiger Titel ein Bild von der Musik zu machen, bevor man sich zu einem Kauf entschließt – was das angeht, seid ihr also gewarnt. Wer sich traut, wird mit einem sehr speziellen, aber auch beeindruckenden Hörerlebnis belohnt… obwohl es sich alle Mühe gibt, den Hörer mächtig zu irritieren (lest euch am besten das Booklet zu diesem Score durch, Pembertons Beschreibung des Entstehungs-Prozesses ist faszinierend!).

Trackliste mit Längenangabe und Anspieltipps:

  1. From Nothing Comes a King – 0:43

  2. King Arthur: Legend of the Sword – 2:52

  3. Growing Up Londinium – 2:42

  4. Jackseye’s Tale – 3:31

  5. The Story of Mordred – 2:00

  6. Vortigen and the Syrens – 2:18

  7. The Legend of Excalibur – 2:43

  8. Seasoned Oak – 2:19

  9. The Vikings & the Barons – 2:59

  10. The Politics & the Life (Daniel Pemberton & Gareth Williams) – 3:22

  11. Tower & Power – 3:53

  12. The Born King – 2:31

  13. Assassins Breathe – 4:23

  14. Run Londinium – 5:45

  15. Fireball – 2:03

  16. Journey to the Caves – 1:57

  17. The Wolf & the Hanged Men – 2:29

  18. Camelot in Flames – 2:25

  19. The Lady In the Lake – 3:07

  20. The Darklands – 2:43

  21. Revelation – 3:05

  22. King Arthur: Destiny of the Sword – 2:43

  23. The Power of Excalibur – 4:04

  24. Knights of the Round Table – 3:30

  25. King Arthur: The Coronation – 1:45

  26. The Devil & the Huntsman (Daniel Pemberton & Sam Lee) – 4:18

  27. The Ballad of Londinium (Bonus Track) – 2:49

  28. Riot & Flames (Bonus Track) – 1:59

  29. Anger (Bonus Track) – 1:55

  30. Cave Fight (Bonus Track) – 1:26

  31. Confrontation with the Common Man (Bonus Track) – 2:32

  32. The Devil & the Daughter (Bonus Track) – 4:25


3 Gedanken zu “King Arthur: Legend of the Sword – Daniel Pemberton

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s